Die Journalistin 1:
Die Macht der Worte
– María Reig

Cover Die Journalistin Band 1 Die Macht der Worte

»Der Zug fährt an Spanien vorbei.«

– Die Journalistin – Die Macht der Worte, María Reig*

Klappentext:
Madrid Anfang des 20. Jahrhunderts: Elisa Montero wächst bei ihrer Tante Doña Manuela auf, die in den besten Kreisen der Stadt verkehrt. Doch in der eleganten Villa, in der strenge Regeln herrschen, fühlt sie sich eingeengt. Einzig die Zeitungen, die sie jeden Morgen liest, eröffnen ihr einen Blick in die große weite Welt. Während Doña Manuela sie möglichst gut verheiraten will, träumt Elisa davon, selbst Journalistin zu werden. Aber mehr als eine Stelle als Assistentin in der Zeitungsredaktion ist für sie als Frau nicht möglich. Es sei denn, sie veröffentlicht ihre Artikel unter falschem Namen …


Inhaltsangabe:

Elisa kommt als kleines Kind nach Madrid. Unter dem strengen Blick ihrer Tante lebst sie fortan in einem herrschaftlichen Gebäude und wächst in den besten/höchsten Kreisen auf. Hier findet sie nicht nur Freunde, sondern auch ihren Hang zur Musik und ihre Liebe für das Schreiben.

Umso älter sie wird, desto mehr manifestiert sich in ihr der Wunsch, ihr Geschriebenes mit der Öffentlichkeit zu teilen. Als junge Frau will sie Journalistin werden. Ein Wunsch, der ihr von ihrer Tante und der Spanischen Gesellschaft verweigert wird. Als Frau undenkbar.

Doch Elisa lässt sich nicht aufhalten. Unter einem Pseudonym veröffentlicht sie einen ersten Artikel. Aber sie merkt bald auch, dass es nicht so leicht ist, wie zuerst gedacht. Niemand vertraut einfach einem gesichtslosen Fremden. Um ihren Wunsch weiterzuleben sieht sich Elisa schließlich gezwungen, ihr Pseudonym zum Leben erwecken.

Zwischen ihren beiden Leben verstrickt sich Elisa immer mehr in Lügen. Was würde passieren, wenn ihre Kollegen und die Welt hinter ihr Geheimnis kommen? Zu ihrem Glück hat sie Freunde, welche sie bei dieser wahnwitzigen Idee unterstützen.


Meinung:

Die vielen Spanischen Charakter- und Straßennamen muss man erstmal verdauen. Stellenweise las es sich schon wie Tourismusbrochüre. Auch Namen vieler Politiker, Monarchen und Berühmtheiten aus Dichtkunst, Kunst und Malerei, haben mich als Leserin anfangs gefordert. Die seitenweisen Fakten überfahren teils doch sehr.

Aber davon abgesehen, und ab ca. dem zweiten Drittel nimmt das Buch deutlich an Fahrt auf und ab der Hälfte wird die Geschichte um Elisa zunehmend spannender und fliegt unter dem lesenden Auge mehr und mehr dahin.

Gerade der Schreibstil und die Dialoge passen hervorragend in die Vorstellung der damaligen Zeit und zu den Bildern, die im Kopf erzeugt werden. Sie ergänzen sich mit den Beschreibungen und Darstellung des damaligen Madrids. Zumindest so wie man sich das als völlig andere Generation vorstellt. So schwankt die Sprache in Nuancen auch zwischen Elisas Alias‘ als Frau und Mann. Zwischen gepflegt und wortgewählt und freier und lebendiger.

Elisa mit ihrer Art ist eine sehr interessante Figur. Und es ist spannend sie zu verfolgen, wie sie ihre zwei Leben unter einen Hut bringen will. Sie ist intelligent, wortgewandt und lässt sich nicht so leicht von ihrem Ziel abbringen. Als Leser verfolgt man ihren Weg über viele Jahre hinweg und man spürt ihre Entwicklung und wie sie an ihren Aufgaben wächst und lernt, mit ihren Worten und Aussagen umzugehen.

An jeder Stelle des Buches merkt man, dass Elisa die ihr zugedachte Rolle als Frau in der damaligen und auch teilweise noch heutigen Weltanschauung und gesellschaftlichen Ordnung lebt, aber durchaus durchbrechen will. Sie will einen Traum leben. Heute für viele normal, für sie ein steiniger Weg. Ich mag es, wie man als Leser jedoch nicht nur die eine Seite davon gezeigt bekommt, Elisa ist das Bindeglied zwischen ihren Freundinnen, die verschiedene Meinungen zur Unabhängigkeit der Frau haben.

Die Dynamik zwischen Elisa/Pedro und Olivier empfand ich von der ersten Szene an hervorragend geschrieben. Es hat Spaß gemacht, den Gesprächen und Wortgefechten der beiden zu folgen. Und sie tragen zweifelsfrei dazu bei, dass die bis dahin eher gemächliche Handlung die benötigte Spannung bekommt.

Fazit:

Eine hervorragende Geschichte über eine starke junge Frau, welche sich auch in der heutigen Zeit noch in einigen Bereichen widerspiegelt, die den Weg einer jungen Frau in der von Männern dominierten Welt zeigt, dabei aber nicht in eine Feminismusdebatte abdriftet.

Elisa ist eine wahnsinnig interessante und lebendige Figur. Es macht Spaß sie auf ihrem Weg der Lügen zu begleiten, der dazu dient, ihren einfachen und nachvollziehbaren Wunsch zu leben.

Ich spreche gerne eine Leseempfehlung für all diejenigen aus, die sich etwas mit der Spanischen Geschichte auskennen und keine Angst vor Spanischen Namen haben.


*Die Journalistin – Die Macht der Worte, María Reig, Deutsche Erstausgabe 07/21, Copyright María Reig 2018, Copyright der deutschen Ausgabe 2021 by Wilhelm Goldmann Verlag, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Umschlag: UNO Werbeagentur GmbH, Umschlagfoto: Ildiko Neer/Arcangel, Spanische Originalausgabe 2019: Papel y tinta, SUMA de letras, Penguin Random House Grupo,


weitere Bücher der Reihe:

Band 2

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