Der Kreis des Blutes: Die Schatten des Krieges – Tobias Damaschke

Cover Der Kreis des Blutes

»Wäre es nicht sehr viel besser, ein kleines Übel zu verrichten, um ein viel größeres zu verhindern? Oder blieb das Übel ein Übel, egal was er mit ihm bezweckte?«

– Der Kreis des Blutes: Der Schatten des Krieges, Seite 132

Klappentext:
Seit zweihundert Jahren herrscht zwischen den verfeindeten Kaiserreichen Mathalien und Tror ein Waffenstillstand. Als Oberst Tiroh von Tarlas jedoch zusammen mit Dutzenden weiteren hohen Offizieren Mathaliens in die Hauptstadt Taranis vorgeladen wird, scheinen sich die Anzeichen zu mehren, dass es Kräfte geben könnte, denen diese Waffenruhe ein Dorn im Auge ist. Und während die Vorbereitungen für das alle vier Jahre stattfindende Drachenturnier anlaufen, bemerkt er vor allem bei der Kirche eine drastische Verschärfung des Tons gegenüber dem trorschen Feind im Westen…Zur gleichen Zeit sieht der Jägerssohn Taron Tarlas keinen anderen Weg seinem kranken Vater und dem von Seuchen geplagten Dorf zu helfen, als bei dem Drachenturnier teilzunehmen und weit genug zu kommen, um das Geld für die teure Arznei zu gewinnen. Auf der langen Reise nach Taranis drohen ihm jedoch tödliche Gefahren – was neben ihm auch seiner Schwester Nira bewusst ist, die einst geschworen hat, Taron unter allen Umständen zu beschützen. Als sie aufbrechen, konnten sie noch nicht ahnen, in welchen Kreislauf der Gewalt sie hineingeraten sollten…


Inhaltsangabe:

Tarons Traum ist es aus seinem Dorf herauszukommen und auf Reisen durch die Welt zu gehen. Zu gern würde er am legendären Drachenturnier teilnehmen. Doch sein Vater ist krank ebenso wie viele andere im Dorf. So muss Taron seinen Traum hinten anstellen, denn würde er gehen, würde es an Egoismus grenzen.

Doch das Schicksal spielt ihm in die Hände, als eines Tages ein Bote des Kaisers in sein Dorf kommt, um sich von seinen Bogenschießkünsten zu überzeugen und ihm persönlich eine Empfehlung zur Teilnahme am Drachenturnier zu überreichen. Sollte er es unter die ersten drei schaffen, würde ein Preisgeld winken, mit welchem er die Medizin, von der er bisher nicht gedacht hätte, dass es sie gibt, bezahlen könnte. Die Medizin könnte seinen Vater und alle im Dorf heilen.

Gemeinsam mit seiner Schwester, Nira, und ihrem Beschützerinstinkt macht er sich also auf den langen Weg nach Taranis. Schon früh merkt Taron, dass seine Sicht auf die Welt naiv und die Welt sehr viel gefährlicher ist, als er immer dachte. Nicht jedem sollte er einfach vertrauen. Sie treffen jedoch auch auf freundliche Gestalten. Unter anderem auf die geheimnisvolle Taisha, die sich an ihre Vergangenheit nur noch wenig erinnern kann, aber ebenfalls nach Taranis möchte. Die misstrauische Nira merkt jedoch, dass Taisha ein eigenes Ziel zu verfolgen scheint.

Auch Oberst Tiroh ist auf dem Weg in die große Stadt. Er und seine Leutnants wurden ebenso wie viele andere Oberst vom Kaiser persönlich in die Hauptstadt gebeten. Ein ungewöhnlicher Umstand, dem Tiroh nicht recht über den Weg trauen möchte. Denn nur allein wegen des Drachenturniers wird man sie nicht eingeladen haben. Und wie sich bald herausstellt, sollen sich seine Gedanken bestätigen. Denn Tror, das Land hinter der großen Mauer zuckt sich militärisch und es gilt herauszufinden, was genau diese Seite plant. Die Kirche ist sich sicher: Tror plant den Krieg aus der Vergangenheit fortzuführen.


Positiv:

Die Charaktere und die Welt finde ich sehr gut gelungen. Gerade die Welt hat eine Geschichte, die schon sehr viele Jahre zurückreicht und durchdacht und nachvollziehbar wiedergegeben wird. Es entpuppt sich nach und nach immer mehr, dass ein Konflikt in der Welt eingewoben ist, der sich hartnäckig hält und dessen Knoten nur darauf wartet zu platzen. Jeder Charakter für sich findet seinen Platz in diesem Konstrukt und hat seine eigenen Gedanken und Vorgehensweisen, um damit umzugehen. Insbesondere Tiroh habe ich mit seinen Gedanken und seinen Handlungen ins Herz geschlossen. Kämpferisch sicher keiner der besten, nutzt er lieber seinen Kopf und macht klar, warum er Oberst ist. Auf der anderen Seite steht Taron mit seiner unglaublich naiven Art, der in allem versucht das Positive zu sehen.

Den Erzählstil empfand ich als sehr erfrischend. Die Vergangenheit der einzelnen Charaktere erfährt man durch viele Rückblenden und Erzählungen. Normalerweise bin ich kein Fan davon, etwas erzählt statt gezeigt zu bekommen, aber der Autor hat hier einen Pfad gefunden, der zwischen Erzählung und Erlebnis liegt. Es wird sich Zeit genommen, sodass die Szenen alle bildlich vor dem Auge des Lesers auftauchen, beinahe wie eine Innerungen vor den Augen der Figuren.  

So verfolgt man die einzelnen Figuren auf ihrem Weg nach Taranis und zur Arena des Drachenturniers und erfährt Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit, Erschreckendes und Lustiges, Prägbares und Verstörendes.


Negativ:

Ich muss zugeben, dass ich die Idee mit dem Namen und den Nachnamen sehr witzig finde, sie aber gerade zu Beginn zu Verwirrung geführt hat. Teils gleiche Nachnamen und dann noch ähnlich klingende Vornamen: Tiroh, Taron, Taisha, Tanja. Da waren Namen wie Levon eine Wohltat, um die Charaktere auseinander zu halten.

Nira als Charakter fand ich persönlich unglaublich nervig. Zwar begrüße ich es, dass mal die kleine Schwester den Beschützer für den großen Bruder mimt, aber ihre Art ist nach 300 Seiten echt zum Augenrollen. Als würde ihre Persönlichkeit aus nichts Anderem bestehen, als daraus, ihren Bruder zu schützen. Man merkt deutlich, dass hier noch mehr ist und ich hoffe auf etwas mehr Vertrauen in das Können ihres Bruders in den Folgebänden.


Fazit:

Für mich ein klasse Auftakt in eine Buchreihe, die noch viel Potential hat, ordentlich Spannung mitzuführen und zu explodieren. Zwar baut der Spannungsbogen der Geschichte nur langsam und eher zum Ende hin auf, aber dadurch wird sowohl den Figuren als auch dem Leser die Zeit gegeben, die Welt zu verstehen und einen Platz in diesem Konflikt zu finden. Gerade am Ende fiel es dann doch schwer, das Buch aus den Händen zu legen. Nur muss im nächsten Band der Faden dringend aufgenommen werden, sodass die Spannung nicht wieder komplett abfällt.

Die Namen haben mich anfangs doch stark verwirrt und es hat ein Weilchen gedauert, sie zuzuordnen, aber, das ausgeklammert, hat es unglaublich viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Es gibt eine Menge Humor und die Figuren sind durchweg sympathisch. Taron mit seiner naiven Art und Nira mit ihrem verquerten Bruderkomplex nerven beim Lesen genauso wie sie einen zum Schmunzeln bringen. Tiroh ist ein starker Sympathieträger, mit Taisha, die noch etwas nebenher lief, hat man auf jeden Fall etwas Geheimnisvolles.

Das Ende von Band eins verspricht ebenfalls viel für die nächsten Bücher der Reihe.

Das Gespann im Allgemeinen gefällt mir sehr gut, da sich die Figuren in ihren Stärken und Schwächen ergänzen und in der Persönlichkeit alle trotz ähnlicher Ziele ein erfrischendes Maß an Individualität mitbringen.

Ich werde mir die nächsten Teile bei Gelegenheit auf jeden Fall noch zu Gemüte ziehen.


Der Kreis des Blutes: Die Schatten des Krieges, Tobias Damaschke, 1. Auflage 2018, Coverdesign: Juliane Schneeweiss


weitere Bücher der Reihe:

Band 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*