Milo und das Geheimnis von Polyrica – Nicolas Müller

»Ich suche Zugehörigkeit.« Als er diese Worte ausgesprochen hatte, wurde ihm klar, dass sie tief aus seinem Inneren kamen. So, als ob dieser Wunsch all die vergangenen Jahre schon immer in ihm geschlummert hatte, ihn auszusprechen.


– Milo und das Geheimnis von Polyrica, Milo, Seite 71

Klappentext:
Hast du nicht auch schon einmal davon geträumt? Wie es wäre, wenn du ein Buch nicht nur lesen, sondern mittendrin sein könntest? Wenn du in die Handlung eintauchen und ein Teil der Geschichte werden würdest? Alles, was du tust, hätte Folgen und würde den Verlauf der Ereignisse beeinflussen. Ein bisschen wie bei einer Zeitreise, in der du nur eine kleine Sache veränderst und schon nimmt die Geschichte eine komplette Wendung.

Dann geht es dir genau wie Milo. Er ist von den fremden Welten aus Büchern, Filmen und Videospielen begeistert. Wenn er gerade keine Lust mehr auf die echte Welt in Aachen hat, dann begibt er sich in diese phantastischen Welten. Dabei träumt er immer davon, sie zu erkunden und die Menschen dort kennenzulernen. Eines Tages dann bleibt es nicht mehr nur beim Träumen.In „Milo und das Geheimnis von Polyrica“, dem Debütroman von Fantasy Kinder- und Jugendbuchautor Nicolas Mueller, kannst du seine Geschichte miterleben.


Inhaltsangabe:

Milo fühlt sich von seinem Vater links liegen gelassen, seit er nach der Trennung von seiner Mutter eine neue Freundin hat. Für seinen Vater ist nur wichtig, dass er gute Noten schreibt und an der Kopfrechen-Weltmeisterschaft teilnimmt. Doch Milos Interessen gelten viel mehr seinen Büchern, Videospielen und vor allem dem Online-Poker.

Als er von einer Freundin seiner Mutter, der Café-Besitzerin Rici, das Buch zurück erhält, welches er vor einiger Zeit bei ihr vergessen hat, wünscht er sich nichts sehnlicher, als seinem tristen Alltag aus Schikane und Rechenaufgaben zu entfliehen. Er will in die Welt von Meister Kildar eintauchen. In die Welt La’Dentrya und in die Welt, in der Vari – gefährliche magische Wesen – leben.

Und sein Traum geht in Erfüllung. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn als er beim Lesen des wiedergewonnenen Buches einschläft, erwacht er in einem seltsamen Raum, völlig in weiß und mit unzähligen Bücherregalen gefüllt. Saloquim, ein merkwürdiges kleines Männchen, erzählt ihm, dass er sich in Polyrica befindet, einer Welt, die von jedem erreicht werden kann – mehr oder weniger. Das fremde Wesen stellt Milo vor die Wahl: Will er zurück oder durch sein Buch in eine Welt eintauchen, in welcher er Abenteuer erleben kann?

Milo taucht ein in ein Abenteuer in einer Welt und einer Stadt, die ihm aus Büchern seltsam bekannt vorkommt, aber dennoch voller Faszinationen steckt. Freundschaft, Zugehörigkeit und die Liebe warten auf ihn, aber nicht jeder meint es gut mit ihm oder ist bereit ihm zu helfen. Dazu kommt, dass allein Milo das Schicksal kennt, das die Stadt in nur wenigen Tagen erwarten wird. Ihm ist klar, dass er eine Möglichkeit finden muss, das Unheil zu verhindern.


Meinung:

Milo ist für mich ein sehr sympathischer und nachvollziehbarer Charakter. Seine am Anfang eher schüchterne Art, die lieber alles schweigend über sich ergehen lässt, und sich alles mit einem Tränchen im Augenwinkel gefallen lässt, weckt einen gewissen Beschützerinstinkt. Doch aus dem schüchternen Jungen wird nach und nach eine Persönlichkeit, die zu ihrer Meinung steht. Für mich war diese Entwicklung logisch und für ein Kinder-und Jugendbuch auch sehr gut nachvollziehbar geschildert.

Auch die Nebencharaktere gefallen mir. Gerade mit Tidor wird eine Menge Sympathie aufgebaut und auch Rete und Nevis mag ich in ihren wenigen Auftritten und Charakterhandlungen. Eventuell hätte man diese noch etwas ausbauen können. Das gleiche gilt für Kara. Diese noch etwas mehr auszubauen, hätte es leichter gemacht, Milos Zuneigung ihr gegenüber zu verstehen. So kam diese für mich etwas aus dem Nichts, die Zuneigung scheint einfach da, nachdem Milo Kara einmal gesehen hat.

Ich mochte die Beschreibungen sehr, die der Autor platziert hat. Nicht zu viel, um darin zu ertrinken, aber fein säuberlich gewählt, um sich die Szene gut vorstellen zu können. Auch Gedanken und Gefühle finde ich super geschildert. Wo jedoch am Anfang noch sehr viel beschrieben wurde und den Figuren sehr viel Zeit gelassen wird, sich zu entwickeln und zusammen zu finden, eskaliert das Ende für meinen Geschmack dann etwas zu schnell. Durchaus ist alles nachvollziehbar und es baut von Anfang an darauf auf, aber meinem Gefühl nach fehlt dem Ende etwas die „Zeit“. Dies ist jedoch mein persönliches Gefühl.

Der Schreibstil ist aber generell eher rasch und hält sich nicht zu lange mit einer Sache auf. Dadurch passiert immer etwas und es wird nie langweilig. So wird die Spannung gut und beständig aufgebaut – von der ersten bis zur letzten Seite. Alles liest sich sehr flüssig und leicht, weshalb man sehr schnell und gut vorankommt.

Auch die Welt, die dem Buch zugrunde liegt, gefällt mir prima. Hier hat man sich viele Gedanken gemacht und auch versucht, die Welt rund und voll wirken zu lassen. Es werden dem Leser viele Informationen mitgegeben, die teilweise geklärt werden, zu denen man sich aber selbst auch noch Gedanken machen muss, oder darf.

Die Mission von Milo, wenn man sie so bezeichnen will, wurde meiner Meinung nach gut gewählt. Etwas eher Kleines, das eine große Auswirkung hat. Durchaus empfinde ich diese Aufgabe als etwas, das ein Junge in seinem Alter und seinen Fähigkeiten bewerkstelligen kann. Es muss nicht immer die Rettung der Welt sein, um den Leser mitzureißen und einen Spannungsbogen aufzubauen. Manchmal reicht auch ein Feuer.


Fazit:

Ich fand das Buch sehr interessant und stellenweise fiel es sehr schwer es aus der Hand zu legen. Der spannenden Handlung folgt man auch als jung gebliebener Erwachsener beinahe von allein. Man wird mitgezogen und entdeckt in der Welt immer wieder etwas Neues, das neugierig macht und von dem man gerne mehr wissen will.

Die Hauptfigur ist sehr sympathisch und macht eine nachvollziehbare Veränderung durch. Man fühlt mit Milo mit und durch die vielen schönen Beschreibungen und Gedanken zur Welt hat man das Gefühl eine runde Sache gelesen zu haben.

Die Ideen der Figuren sind zum größten Teil pfiffig und neben der Hauptfigur treiben auch andere Charaktere die Geschichte maßgeblich in eine bestimmte Richtung, was ich immer begrüße. Und am Ende wird man nochmal richtig überrascht und wird fürs Lesen mit einer für mich erwartet-unerwarteten Wendung belohnt.


Milo und das Geheimnis von Polyrica, Nicolas Mueller, 2020, Covergestaltung: Marie Graßhoff, Lektorat/Satz: Claudia Pietschmann, Korrektorat: Christian Winkelmann, Illustrationen: Louisa Molitor


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*