Der halbe Russ: Daisy Dollinger ermittelt- Isolde Peter

»Sind Sie stolz, dass die Daisy der Mordkommission so tatkräftig geholfen hat?«
»Ja, sehr stolz. Du kannst froh sein, ohne sie du wärst nicht der Tschernobyl-Seppi, der du bist.«

– Der halbe Russ: Daisy Dollinger ermittelt, Seite 334

Klappentext:
Undercover mit Dackel:

Im humorvollen Krimi »Der halbe Russ« löst die bayrische »Miss Marple« Daisy Dollinger mit Charme, Dirndl und Akkordeon ihren ersten Fall um tote Straßenmusiker in München.

In München steht ein Hofbräuhaus, davor liegt ein Mann, der schaut betrunken aus … Ist er aber nicht, wie eine resolute Passantin feststellt, als sie die vermeintliche Alkohol-Leiche freundlich anstupst: Der Straßenmusiker Oleg Wodka ist ganz und gar tot, und auf natürliche Weise ist er nicht gestorben.
Weil Olegs Straßenmusiker-Kollegen der Polizei gegenüber äußerst maulfaul sind, hat der junge Kripo-Beamte Sepp Leutner schließlich eine geniale Idee: Seine gute Bekannte Daisy Dollinger – Sekretärin der Münchner Staatsanwaltschaft und weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen –, spielt Akkordeon, und ein Dirndl besitzt sie auch. Ehe sie sich’s versieht, befindet sich Daisy nebst Dackel Wastl als Straßenmusikerin auf ihrem ersten Undercover-Einsatz …


Inhaltsangabe:

Vor dem Hofbräuhaus in München wird ein erdrosselter Straßenmusiker gefunden und es gibt weder einen richtigen Namen noch scheint jemand etwas Hilfreiches zu dem Geschehen beisteuern zu können, von einem Täter einmal abgesehen. Aus Mangel an Beweisen, wird auf einen Raubmord geschlossen, obwohl das Akkordeon noch bei dem Toten lag. Sepp Leutner, Ermittler der Mordkommission, glaubt dieser Theorie seines Vorgesetzten nicht. Nach einer vergeigten Zeugenbefragung seinerseits, nutzt Hoblmayr die Chance jedoch und zieht Sepp von dem Fall ab. Dieser will die Sache jedoch nicht aufgeben und bittet Daisy um Hilfe. Auch sie ist von der Raubmordidee nicht völlig überzeugt, kennt sie sich doch mit Akkordeon ein wenig aus und spielt auch selbst. Ein Räuber hätte das teure Instrument nicht einfach liegen lassen. Nach einigem Bitten und Drängen, lässt sie sich von Sepp überreden, sich ebenfalls als Straßenmusikerin unter die Leute zu mischen und als eine von ihnen etwas herauszufinden.

Während ihrer Ermittlung kommt es zu einem weiteren Mord und wieder tappt die Polizei im Dunkeln.

Daisys Weg führt sie zusammen mit ihrem Dackelwelpen zurück in die Heimat, wo sie zusätzlich über interessante Details zum großen Blochner, ihren Vater und einst Ermittler mit Leib und Seele bei der Münchner Polizei stolpert. Details, die alles in ein anderes Licht rücken.


Meinung:

Mir gefiel die Art, wie Daisy denkt, nüchtern und eher distanziert. Generell empfand ich sie als Charakter mit ihrer Familie und ihrem Leben als stark. Daisy macht auf jeden Fall einen sehr großen Teil des Humors des Buches aus. Wie sie langsam eine Bindung zu dem Dackelwelpen Wastl aufbaut, den sie anfangs gar nicht will, ist ziemlich niedlich.

Ebenso wie Daisy bemerkt man auch bei den anderen Charakteren eine eigene Persönlichkeit und Eigenheiten. Wie Sepps absolute Unfähigkeit, sich einen Namen zu merken, oder der Hang zum „Farbenfrohen“ der Frau Staatsanwältin. Immys gesunder Lebenstil. Das hat die Seiten mit Leben gefüllt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Auch als Nicht-Bayer kommt man mit den Phrasen und dem Dialekt gut mit. Es zieht einen auf jeden Fall in die Story hinein und man hat sofort das Gefühl, sich mitten in Bayern zu befinden.

Womit ich ein Problem hatte, war der Spannungsbogen. Ich kann es nicht recht in Worte fassen, aber irgendwie wollte mich die Story nicht mitreißen, obwohl sie eine Menge Potential geboten hat. Es rücken immer wieder andere Sachen in den Vordergrund – Familie, Hochzeit, alte Bekannte -, sodass der eigentliche Fall ab einer gewissen Stelle nebenherschwimmt, ehe er wieder aus dem Hintergrund hervorkommt. Ich war mir nicht sicher, ob nicht vielleicht Daisys nüchterne Denkweise gerade das Ende arg „negativ“ beeinflusst hat und dort die Spannung der Situation nahm.


Fazit:

Mir gefallen die Charaktere und auch die Handlung, wie sich alles auf einer recht weltlichen Ebene bewegt hat. Es könnte gut ein Fall sein, der wirklich vor der Haustür passiert ist. Das mag ich an solchen Heimatkrimis immer sehr. Es muss nicht immer das Grauen auf der anderen Seite stehen. Allerdings kommt mir die Handlung zu schleppend in Bewegung und der eigentliche Fall neben der lieben Familie etwas zu kurz. Zum Ende hin steigert es sich zwar, aber das typische Krimifeeling wollte einfach nicht aufkommen. Was ich sehr schade finde, denn mitgezogen wird man auf jeden Fall. Denn der Humor und der Schreibstil nehmen einen mit und für mich sind beide Sachen das Highlight des Buches.

Ein witziger Einstieg in eine Reihe, die noch deutlich Potential nach oben hat und mit einer Menge eigensinniger Charaktere herhalten kann. Ich bin neugierig, was in den nächsten Bänden noch kommen wird.


Der halbe Russ: Daisy Dollinger ermittelt, Isolde Peter, 2020, KNAUR Verlag


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