Die Legende von Osomyr von Petra Staufer

»Weißt du, im Grunde ist es doch immer dasselbe: Das Gute wird vom Bösen überwältigt und die ganze Welt versinkt im Chaos. Dann taucht – oh Wunder – von irgendwo ein Held auf, der dann meist mithilfe eines magischen Gegenstandes, die alte Ordnung wieder herstellt und das Böse in seine Schranken weist. Die alte Leier eben.«

– Soltar, Seite 51, Die Legende von Osomyr

Inhaltsangabe:

Vor langer Zeit gelang es Mógui, dem schwarzen Kaiser mit Hilfe der Kobolde die Herrschaft über Eluyan an sich zu reißen.

Jetzt, über dreihundert Jahre später, scheint endlich das Ende der Schreckensherrschaft in Sicht. Taris, dem Schüler des letzten Großmagiers, fällt ein eigenartiges Buch in die Hände, mit dessen Hilfe der schwarze Kaiser besiegt werden kann. Zusammen mit Sharani macht er sich auf den Weg, die legendäre Burg Osomyr zu suchen und den wahren Herrscher Eluyans zu finden.

Doch auch Mógui weiß von der Existenz dieses Buches und schickt seine Schergen, es zu finden und zu vernichten.



Kurze Zusammenfassung:

Das Land versinkt im Chaos, seit Mógui, der schwarze Kaiser, an der Macht ist. Immer wieder gibt es Überfälle durch die Kobolde und viel unschuldiges Blut wurde schon vergossen. Und nur das Buch der Welten kann Eluyan noch retten.

Die Geschichte dreht sich um den jungen Zauberschüler Taris, der bei seinem Meister lebt und mit nicht wenig Talent dessen Lehrstunden meistert. In einer davon fällt ihm wie durch Zufall das Buch der Welten in die Hände. Ein glücklicher wie auch gleichzeitig schrecklicher Fund. Denn es heißt, dass das Buch der Welten in Zeiten der größten Not nur demjenigen erscheint, den es für würdig erklärt, sein Hüter zu sein. Und während sein Meister bereits weiß, welche Aufgabe auf ihn wartet, tappt Taris völlig im Dunkeln.

Bis zu dem Tag, an dem Kobolde seine Heimat überfallen. Diese haben ebenfalls vom Auftauchen des Buches Wind bekommen und wollen den Hüter aus dem Weg räumen und das Buch der Welten an sich nehmen.

Taris muss flüchten und bekommt dabei Unterstützung von der jungen Sharani, die von seinem Meister als Kind aufgenommen wurde, nachdem sie in einem Körbchen vor dem Dorf abgesetzt wurde.

Gemeinsam wird es nun zu ihrer Aufgabe, das Buch der Welten zu schützen und nach Osomyr zu bringen, eine Burg, die nicht gefunden werden kann, um den wahren Herrscher zu finden. Doch wo anfangen zu suchen, wenn niemand weiß, wo sich Osomyr befindet?

Eine lange Reise beginnt, bei der sich ihnen immer wieder gefährliche Kobolde und viel grausamere Sachen in den Weg stellen.

Aber nicht alles hat sich gegen sie verschworen. Die Elben eilen ihnen zu Hilfe und auch andere Gefährten schließen sich ihnen an. Geschöpfe, die den langen Krieg satthaben.

Doch wem können sie trauen, wem nicht? Wer ist Shanari wirklich? Und wer der wahre Herrscher von Eluyan?


Positiv:

Die Gestaltung der Nebencharaktere, die leider viel zu kurz kommen, gefällt mir sehr gut und lässt alles wunderbar lebendig wirken um die beiden Hauptcharaktere. Es macht die Welt um die zwei etwas bunter und nicht nur einmal entlocken sie einem ein Grinsen. Gerade Tcha’ron mit seinem Sarkasmus gefällt mir super.

Der Schreibstil ist zwar einfach gehalten, lässt sich aber leicht und flüssig verfolgen und es werden schöne Bilder gezeichnet, die es einem leichtmachen, der Handlung zu folgen und sich Umgebungen vorzustellen. Ich hatte zwar zu Beginn ein wenig Probleme, mich an den Stil zu gewöhnen, aber nach dem ersten Kapitel ging es deutlich schneller voran. Und die Handlung nimmt schnell an Fahrt auf. Durch den einfachen Stil kommt es sogar ab und an zu recht witzigen Situationen.


Negativ:

Trotz Charakterentwicklungen bleiben die beiden Hauptcharaktere arg farblos und platt und entwickelnd wirklich erst ganz zum Schluss eine Persönlichkeit, die man wiedererkennen würde. Es ist nicht so, als würden sie auf einem gewissen Stand stehenbleiben, aber dennoch bekomme ich einfach kein Gefühl für sie. Sie wirken etwas wie Sand, der einem durch die Hände gleitet – sie sind da und durchaus schön anzusehen, aber nicht greifbar genug, um sie auf Dauer interessant zu finden.  

Es wird sich an vielen unnötigen Stellen aufgehangen und die wirklich wichtigen Stellen werden zu schnell abgehandelt. Zum Beispiel erfährt man ganz am Anfang des Buches, das Taris eigentlich ein Langschläfer ist und nicht gern aufsteht. Eine Information, die jedoch für den späteren Verlauf des Buches keinerlei Relevanz mehr hat und ich mich frage, warum ich sie bekommen habe, denn wenn es nicht mehr wiederverwendet wird, macht es den Charakter auch nicht tiefgründiger.

Das Buch steckt voller Klischees. Es beginnt mit: junger Zauberschüler mit viel Talent findet ein magisches Objekt und begibt sich auf eine lange Reise, weil nur er das Schicksal der Welt verändern kann. Und endet mit: ohne dich wären wir nicht so weit gekommen. Das ist insgesamt nicht schlimm. Aber es liest sich stellenweise, als hätte man versucht, alle Klischees in ein Buch zu packen.

Die ganze Handlung bleibt dadurch zu sehr vorhersehbar und auch lückenhaft.

Zum Ende hin nimmt auch der Schreibstil ab. Es wird weniger beschrieben und es häufen sich Rechtsschreibfehler. Nichts Gravierendes oder arg Störendes, aber es fällt einem beim Lesen dennoch ins Auge.


Fazit:

Ich weiß auch nicht so recht, was ich von dem Buch halte.

Auf der einen Seite hat es mich doch so gereizt, dass ich es innerhalb weniger Tage durchgelesen habe. Auf der anderen Seite: hätte ich es nicht geschenkt bekommen und hätte es kaufen müssen, hätte ich das wohl nicht getan. Wahrscheinlich hätte ich es im Buchladen nicht einmal bemerkt. Und das sind einige »hätte«.

Schon für damalige Verhältnisse, enthält das Buch sehr viele Klischees. Einfach zu viele. Man wird damit regelrecht überhäuft und die Handlung wird auch sehr vorhersehbar. Leider hebt das bisschen Selbstironie, die die Handlung sich selbst gibt, die Sachlage auch nur geringfügig in die Höhe.

Es gibt Unmengen an Büchern, die mit dieser Struktur handeln und doch Erfolg haben – sehr viele neue Bücher wohlbemerkt – ist sie ein wichtiger Bestandteil der High-Fantasy. Aber in »Die Legende von Osomyr« fehlt mir einfach die Eigeninitiative. Etwas, das mich dazu bewegt, dieses Buch zu lesen und kein anderes. Die eigenen Ideen und Bilder, die Freude am Schreiben, am Kreativsein. Das, was Fantasy ausmacht.

Das Ende empfand ich schließlich nur noch als Abschied einer Reihe, die wohl nie eine werden wird. Es geht alles zu hektisch, als wollte man schnell fertig werden und es endlich zum Schluss bringen. Müsste ich über diesen Umstand eigentlich froh sein, trauere ich ihm eher nach. An den richtigen Stellen mehr Details, mehr Ideen und Eindrücke und vielleicht 100-200 Seiten mehr und man hätte sicherlich ein gutes bis sehr gutes Werk in den Händen.

»Die Legende von Osomyr« hat durchaus Potential und durch das offene Ende auch den nötigen Impuls weiterzulesen. Aber man hätte viel mehr daraus machen können.

Für Neueinsteiger in die Welt der Fantasy und für junge Leser sicher ein guter Anfang, aber für mich, die schon viele dieser Geschichten gelesen hat, einfach nicht mehr reizvoll.


deutschsprachige Ausgabe: 2009, essencia Verlag, Schwetzingen


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