Die Stunde des Assassinen
– R. J. Barker –

Cover Die Stunde des Assassinen

»Ich weiß, was du bist«, zischte eine Stimme.

– Rufra, Die Stunde des Assassinen, R. J. Barker, Seite 360*

Beschreibung
Girton Klumpfuß ist kurz davor, einer der besten Auftragsmörder des Landes zu werden, schließlich geht er bei Meister Karn in die Lehre, einer lebenden Legende im Geschäft mit dem Tod. Eines Nachts werden Girton und sein Meister jedoch an den Königshof gerufen: Innerhalb der dicken Steinmauern von Burg Maniyadoc wispert man hinter vorgehaltener Hand von einem geplanten Attentat auf den Kronprinzen.


Getreu dem Motto „Um einen Mörder zu fangen, musst du einen Mörder schicken“ heuert die Königin die beiden Assassinen an, um das Attentat zu verhindern. Weder Girton noch Meister Karn ahnen, dass der Anschlag auf den Prinzen erst der Beginn einer Reihe von Verschwörungen und Intrigen ist, die das gesamte Königreich in einen grauenhaften Krieg stürzen könnten, der auch vor loyalen Assassinen nicht haltmacht …


Inhaltsangabe:

Girton und sein Meister werden in das Schloss Maniyadoc gelockt und von der Königin beauftragt, herauszufinden, wer es auf das Leben ihres Sohnes abgesehen hat. Denn wer kann besser einen Assassinen schnappen, als einer der ihren?

Als Knappe und Narr mogeln sich die beiden Assassinen unter die Bewohner des Schlosses. Dabei decken sie weit größere Abgründe auf, als sie zu Beginn vermutet hätten und werden in eine Intrige gezogen, die bereits vor Jahren begonnen hatte. Denn nicht nur die jungen Adligen sind in zwei Lager geteilt – zerstrittet und aufs Dunkelste verfeindet.

Für einen verkrüppelten Neuling, der sich als Adliger ausgeben muss, ist es für Girton daher nicht leicht, Zugang zu finden. Girton und sein Meister sind sich jedoch sicher, dass der Schlüssel zum Verrat bei den Knappen zu finden ist, weshalb dem jungen Assassinen nichts übrig bleibt, als sich den Adel zum Freund zu machen. Nicht leicht für jemanden, der noch nie Freunde hatte.


Meinung:

Es hat etwas gedauert, um in die Handlung zu finden. Was vor allem am Schreibstil lag, der mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat.
Alles ist gut geschrieben, aber zum Teil sind die Formulierungen sehr umständlich, wodurch ich mehrfach aus dem Lesefluss gerissen wurde.

Nach den ersten 50 Seiten habe ich dann aber langsam in einen Fluss gefunden, wenngleich es immer wieder Passagen gab, die unnötig kompliziert mit vielen Beschreibungen geschrieben waren.

Highlight ist neben der Welt, die man im Grunde nur durch Erzählungen geschildert bekommt, da die eigentliche Kulisse relativ klein ist, die Charakterentwicklung von Girton.

Die Handlung bleibt erschreckend überschaubar. Statt der – wie ich erst erwartet hatte – Fantasy-Ermittlungs-Geschichte, verfolgt man über weite Teile Girtons erste Liebe und die erste Freundschaft. Die Schnitzeljagd nach der Suche des Meuchelmörders und dessen Auftraggeber bleibt irgendwann etwas hinter seiner Figurenentwicklung zurück. Girton vergisst zwischendurch sogar, warum er eigentlich dort ist.

Hat mich das anfangs noch gestört, empfand ich es nachher als schöne Ergänzung zu Girtons Unerfahrenheit mit einfach allem menschlichen. Und gegen Ende findet die Geschichte auch zu den Verschwörungen zurück.

Generell finde ich die Charaktere bis auf wenige Ausnahmen prima. Man weiß teilweise nicht, wer wirklich freundlich ist und wer nicht, welches dunkle Geheimnis nun zu einem Mordanschlag führen könnte und welches nicht. So rätselt man selbst oder fällt auf sie herein.
Girtons Loveinterest jedoch war mir völlig egal. Sie hätte man gegen jede x-beliebige andere Figur tauschen können.
Von den ganzen indiskutabel bösen Figuren will ich gar nicht erst anfangen.

Dazu stellten sich die Protagonisten zum Teil etwas unnötig dümmlich an und begünstigen die Handlung mit naiven oder nachlässigen Entscheidungen.

So gut ich die einen Charaktere fand, so schlecht empfand ich die Darstellung einiger anderer. Diese übertrieben bösen Bösen, von denen überrascht am Ende doch keiner. Sie sind so sehr überzogen, dass sie mir von Anfang an auf die Nerven gingen. Allen voran Aydor und Anhang sowie Tomas. Zum Teil ist es durchaus als Jugendlicher Leichtsinn abzustempeln, aber der Hass und die Boshaftigkeit waren schon irgendwie erschreckend.

Interessant fand ich auch die Welt, das Konzept der Magie und der Fäulnis.

Das Ende jedoch rettet für mich viel an dem Buch. Es ist durchaus überraschend und es gibt die eine oder andere interessante Wendung.


Fazit:

Das Buch war nicht ganz, was ich erwartet habe. Statt einer klassischen Fantasy-Ermittlungs-Geschichte steht doch eher der junge Girton im Mittelpunkt, der lernt ein Kind und Jugendlicher zu sein. Allerdings hat dieses Konzept für mich hervorragend funktioniert. Die Charakterentwicklung von Girton fand ich super und kommt in der recht kleinen Kulisse gut zur Geltung.

Allerdings war für mich Girtons Loveinterest absolut nicht nachvollziehbar und für mich daher auch nicht interessant. Man hätte sie mit jedem anderen austauschen könnten und nichts hätte sich geändert. Was schade ist.

Während einige der Figuren sehr spannend ausgearbeitet und in ihren Handlungen interessant waren, haben mich die bösen Bösen mit ihrer inakzeptablen Boshaftigkeit beim Lesen nur genervt.

Auch der Schreibstil war sehr gewöhnungsbedürftig und teilweise wurde der Lesefluss durch Totbeschreibungen gestört.


Die Stunde des Assassinen, Copyright: R. J. Barker, Deutsche Erstausgabe 02/2018, Redaktion: Joern Rauser, Copyright (deutsch) Wilhelm Heyne Verlag, Originaltitel: Age Of Assassins – The Wounded Kingdom 1, 2017


weitere Bücher der Reihe:

Band 2

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