Das Spiel des Verräters
– Anne Perry –


»Lagen Vernunft und Raserei wirklich so nahe beieinander, war der Firnis, der beides voneinander trennte, wirklich so dünn? Wie war es möglich, dass etwas Schönes sich vor den Augen des Betrachters in etwas abgrundtief Hässliches verwandelte?«

– Das Spiel des Verräters, Anne Perry, Seite 314

Klappentext:
1933: Während Europa auf eine Katastrophe zusteuert, lernt die englische Fotografin Elena Standish in einem Hotel an der Amalfiküste den charmanten Ian Newton kennen. Als dieser ein mysteriöses Telegramm erhält und überstürzt abreist, beschließt sie, ihn bis Paris zu begleiten. Doch im Zug wird Ian niedergestochen. Mit dem letzten Atemzug vertraut er Elena an, dass er für den britischen Geheimdienst MI6 arbeitet. Sie soll an seiner Stelle nach Berlin fahren, um ein Attentat zu verhindern, das eine internationale Krise auslösen könnte. Aber Elena kommt zu spät und wird schon bald selbst als Attentäterin gesucht …


Inhaltsangabe:

Elena ist mit ihrer Schwester in einem Hotel an der Amalfiküste, um dort Bilder von den Teilnehmern einer Wirtschaftskonferenz zu machen. Dort trifft sie auf Ian Newton, von dessen Charme sie sich sofort eingenommen fühlt.

Die Idylle wird jedoch schnell gebrochen, als im Hotel in einem Wandschrank ein Toter gefunden wird. Kurz darauf erhält Ian ein Telegramm und muss aufbrechen. Elena beschließt, ihn bis Paris zu begleiten.

Doch im Zug wird Ian ermordet und verrät Elena, dass er für den MI6 arbeitet und in dem Telegramm von einem Attentat auf Scharnhorst die Rede war. Er bittet sie – statt ihm – die Nachricht zur britischen Botschaft in Berlin zu bringen und die Leute zu warnen. Denn das Attentat soll dem Britischen Militär-Geheimdienst angelastet werden.

Unter Schock macht sich Elena auf den Weg und bekommt dabei Unterstützung von einer Bekanntschaft aus Amalfi – Walter. In Berlin angekommen, kann Elena das Attentat aber nicht verhindern und steht schließlich selbst im Verdacht, dieses begangen zu haben. Auf der Flucht durch Berlin muss sie einen Weg heraus aus Deutschland und zurück nach London finden, zu ihrem Großvater.

Dabei versucht sie die Situation des Deutschlands der 1933er Jahre auf ihrer Leica zu bannen.


Meinung:

Die Handlung hatte für mich zwar weniger mit einem klassischen Kriminalroman gemein, war aber deshalb nicht weniger spannend. Die Atmosphäre der 1933er Jahre wird sehr schön beschrieben und wirkt sowohl beengend und beängstigend als auch faszinierend und interessant. Für die Beschreibung dieses Bildes eine Fotografin als Protagonistin zu wählen, empfinde ich als sehr gelungen.

Mit Elenas Art ihr Umfeld wahrzunehmen wurde ich schnell warm, wenngleich der Anfang doch etwas ruppig ist und das Buch scheinbar schnell zur eigentlichen Handlung voranschreiten will.

Der Schreibstil ist intelligent, angenehm herausfordernd und flüssig. Allerdings werden viele Sachen, Gedanken und Ideen so oft – immer anders formuliert – wiederholt, dass es mir ab und zu etwas zu viel wurde. So werden Motive doch etwas durchgekaut und wirken Stellenweise etwas aufgesetzt oder wie eine Rechtfertigung.

Der wiederholende Charakter kommt vor allem durch die verschiedenen Sichten zu Stande. Sichten, die ähnliche Schicksalsschläge hinter sich haben, aber zu ein und demselben Thema doch unterschiedliche Einstellungen. Gerade aber auch diese Gedankenspiele empfand ich als sehr spannend. Vor allem die Sicht von Lucas hat mir gefallen. Seine Gedanken und seine Hintergründe regen selbst zum Überlegen an, wenn sie auch etwas pseudophilosophisch waren.

Zwei der Perspektiven kommen zu keinem klaren Ende. Sie haben für den Leser viele Informationen, Gefühle und Ideen transportiert und bieten dem Leser weiteres Fundament zur Verdeutlichung, was Verlust auslösen und bewirken kann. Es gibt kein glückliches Ende, in welchem alle losen Fäden zusammengebunden werden, was sowohl Platz für weiteres bietet, als auch aufzeigt, wie es in der Geschichte ausging.

Das Ende hat mich zwar nicht überrascht, aber es wird logisch und spannend aufgebaut. Als Leser merkt man an den letzten Szenen deutlich, wie sich Elenas Charakter weiterentwickelt hat. Man lernt sie als starke Person mit einer eigenen Meinung kennen. Und ebenso wie alle Figuren ist sie geprägt von einer schmerzhaften Vergangenheit. Manchmal hat sie mir etwas zu naiv gehandelt, unlogisch fand ich sie jedoch nie.

Fazit:

Anne Perry schafft es, mit ihrem Roman eine schneidende Atmosphäre aufzubauen und den Leser in eine Vorstellung der 1933er Jahre zu entführen.

Mit Elena hat der Leser eine starke Protagonistin, die sich im Laufe der Handlung entwickelt und mit der man mitfühlt. Ihre Gedanken und die von Lucas fand ich durchweg weitsichtig und interessant.

Für mich ein Buch, dass einen trotz kleinerer Schwächen bedrückt und mitnimmt und durchweg hervorragend unterhalten hat.


*Das Spiel des Verräters, Anne Perry, 1. Auflage, Deutsche Erstausgabe Juni 2021, Copyright der Originalausgabe 2019 by Anne Perry, Published by Arrangement with Anne Perry Ldt., vermittelt durch Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, Originaltitel: Death in Focus, bei HEADLINE PUBLISHING GROUP, Copyright Deutsche Erstausgabe by Wilhelm Goldmann Verlag, in der Pinguin Random House Verlaggruppe GmbH, Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur GmbH, Redaktion: Ilse Wagner, Satz/, Druck und Bindung: GGP Media GmbH


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