Drahtzieher und Dunkelmänner: Taschenspieler, Leisetreter und der Mann im Schatten
J.W.W. Modlich

Cover-Drahtzieher-und-Dunkelmänner

»Ich weiß, dass du bei Fürstin Eltzabet vorstellig werden willst. Ich weiß nicht, welche Pläne du in Palhelm verfolgst. Aber ich sage dir, geh nicht mehr nach Palhelm, Alrik. Lass die Vergangenheit ruhen. Dabei kommt nichts Gutes heraus.«

– Brac, Drahtzieher und Dunkelmänner: Taschenspieler, Leisetreter und der Mann im Schatten, Seite 472

Klappentext:
Schwert und Magie beherrschen das Reich Castellia. Das Schicksal des jungen, abenteuerlustigen Magiers Alrik verwebt sich eng mit dem Aufstieg Palhelms, der Stadt der Paladine. Aufbau und Niedergang, Zusammenhalt und Verrat, Kampf und Krieg, Liebe und Tod. All das erlebt er dort, all das verändert ihn.
Das Spiel um die Macht in der Stadt und im Land ficht er mit anderen Drahtziehern aus: Feinde, offene wie verdeckte, Verbündete und Freunde, manche mächtiger, manche klüger, manche reicher. Aber sie alle haben nicht das, was Alrik in die Waagschale werfen kann, … den Segen der Weberin!
Ist es Alrik, der in Palhelm die Strippen zieht, oder tanzt auch er selbst nach den Regeln eines noch größeren Intriganten, des Mannes im Schatten?


Inhaltsangabe:

Nachdem wir in Band 1 Alrik auf seinem frühen Lebensweg und seinen ersten Amtshandlungen im Palhelmer Stadtrat begleitet haben, erfahren wir in Band 2 mehr über sein Wirken nach den Ereignissen.

Die Weberin hat die Welt verlassen, doch noch immer hat Alrik es nicht leicht, das Vertrauen der anderen Stadtratmitglieder und auch der Einwohner Palhelms zurückzuerlangen. Doch Alrik wäre nicht Alrik würde er sich davon aufhalten lassen. Er widmet sein Tun der Stadt und gemeinsam mit den anderen, wächst und gedeiht die Stadt der Paladine über Jahre hinweg und steigt zu dem Glanz auf, den sie schon einmal hatte. Selbst die berühmten Paladine kommen zurück.

Neue Freunde und neue Feinde stellen sich der Stadt in den Weg und es wird immer wichtiger, dass die Spitze Palhelms zusammenhält, denn das ganze Land hat ein wachsames Auge auf die schnell wachsende Stadt. Nicht jeder ist mit dieser Entwicklung zufrieden und auch die einzelnen Mitglieder des Stadtrates haben eigene Ziele, Geheimnisse und eigene Ansichten, ihre Ideen durchzusetzen.

Und während die Liebe über Alrik hereinbricht, Freunde kommen und gehen, haben auch die Götter ihre letzten Worte noch nicht gesprochen.

In Band 2 folgen wir weiterhin Alrik, wie er sich durchs Leben mogelt.


Meinung:

Zum Ersten freue ich mich, dass Drahtzieher und Dunkelmänner ein neues Gewand erhalten hat. Sowohl das Cover von Band 2 als auch ein neues Cover für den ersten Band. Super schön und endlich wird das Äußere dem Inneren gerecht!

Auch in Band 2 von Drahtzieher und Dunkelmänner hat mir vor allem Alrik wieder gefallen. Er ist und bleibt eine eher denkende als fühlende Person, und für mich eine durch und durch zwielichtige und damit sehr spannende Figur, bei der man nie so recht weiß, ob seine Pläne funktionieren, oder zum Scheitern verurteilt sind.

Aber auch die Nebencharaktere aus Band 1 bekommen in Band 2 mehr Tiefe, Dinge, die in Band 1 angesprochen wurden und von denen ich mir etwas mehr gewünscht hätte, wurden weiter gesponnen und erklärt. Das hat mir sehr gut gefallen, gerade, da es diese große Welt noch weiter ergänzt, ihr Geschichte und Lebe verleiht.

Die Handlung hat mir ebenso gefallen. Wenngleich sie mehr aus in sich geschlossenen kleineren Szenen besteht und nur im groben Geflecht auf einen Höhepunkt am Ende des Buches hinausläuft. Alle Handlungen haben durchaus ihre Konsequenz, wenn auch nicht immer die, welche man erwartet.

Schade fand ich, dass manche Erkenntnisse etwas aus dem Nichts gezogen wurden wichtige Ereignisse, die man durch Arik später erfährt, Vorkehrungen, die er irgendwann mal getroffen hat, von denen man zu dem Zeitpunkt aber nichts gelesen hat. Dies hätte man durchaus etwas schöner „organisieren“ können. So wirken Lösungen manchmal etwas aus dem Hut gezaubert.

Das Zusammenspiel der Charaktere, Alrik als Hauptfigur und der Handlung lassen den Leser nie so recht wissen, was nun wirklich gut und böse ist, was wirklich schwarz und was weiß. Wer ist der Gute, wer der Böse. Es variiert je nach Szene und je nach Handlungen der Charaktere, je nach Blickwinkel des Lesers. Diesen Umstand mochte ich bereits in Band 1 und dieser wird hier intelligent weitergeführt.

An den Schreibstil muss man sich sicherlich erst gewöhnen. Bestehen die einzelnen Kapitel immer nur aus Episoden aus Alriks Leben, die einem wichtige Lebensabschnitte schildern (was sehr gut zu dem Konzept des Tagebuchs passt und diesen Stil wunderbar ergänzt). Zwischen den Episoden liegen teilweise ziemlich große Zeitsprünge – teils mehrere Jahre -, welche lediglich in einem Nebensatz erwähnt werden.

So hat man einige unwichtigere Jahre übersprungen und kommt zum nächsten Ereignis mit einem älteren Alrik. Für mich – die immer ihre Schwierigkeiten hat, wenn Charaktere plötzlich älter werden, die Welt um sie herum sich verändert – zu Beginn etwas schwer, aber man gewöhnt sich dann doch relativ schnell daran, sich nicht auf den Ist-Zustand festzulegen.

Auch Band 2 hätte eine Entschlackung gut getan. So hat man viele Szenen oder Dialoge, die zur Handlung oder zum Charakterbild nicht so arg viel beitragen. Diese doch sehr schleppenden Szenen zu entschärfen, hätte das Buch um einiges dynamischer gestaltet.


Fazit:

Auch Band 2 der Drahtzieher und Dunkelmänner hat mich mit sehr viel Witz zum Schmunzeln gebracht und mich mit der zweischneidigen Handlung gut unterhalten.

Die fantastische Welt aus Band 1 wird weiter ausgebaut, man bekommt mehr von der Welt außerhalb Palhelm erklärt und interessante neue Einblicke. An manchen Stellen hat Band 1 das gleiche Problem wie sein Vorgänger – es wird manchmal etwas zu viel zu lang und zu breit („tot“-)erklärt. Hier hätte es gutgetan, diese Szenen zu entschlacken. (Gerade die Philosophie über Alriks Leitspruch.)

Ebenso wie in Band 1 war der Schreibstil gewöhnungsbedürftig, aber sehr gut und auch bildlich und abwechslungsreich. Wenn man sich an die vielen Zeitsprünge gewöhnt hat, genießt man die zahlreichen Episoden in Alriks Leben. Wieder ist der Stil locker und mit viel Humor ausgestattet.

Großer Pluspunkt ist auch in Band 2 die Handlung. Wer ist gut, wer ist böse, gibt es diese Klassifizierung überhaupt? Alrik bleibt für mich der zwielichtige Sympathieträger der Geschichte und das zu schaffen, verdient ein großes Lob an den Autor.

Gut fand ich auch, dass die Nebenfiguren aus Band 1 weiter eine wichtige Rolle spielen, sich entwickeln und auch Dinge, die in Band 1 nur angesprochen wurden, noch weiter ausgebaut wurden.   


Drahtzieher und Dunkelmänner: Taschenspieler, Leisetreter und der Mann im Schatten, J. W. W. Modlich, 2021, Umschlaggestaltung: Alexander Kopainski, Illustration: J. W. W. Modlich unter Verwendung der Pixabay-Bilder von DarkWorkX, Devanath, J.Braun, M.Hassen, Herstellung und Verlag: BoD, Norderstedt


weitere Bände der Reihe:

Band 1

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