„Diebe der Nacht“ – Thilo Corzilius

»Wenn du ein Spiel nicht gewinnen kannst, dann ändere die Regeln.«



– Diebe der Nacht, eine von Talmos Lektionen, Seite 207

Klappentext:
Die Truppe um den jungen Dieb Glin kommt für eine Saison in die Stadt Mosmerano, um dort ein großes Ding zu drehen. Doch auch der beste Plan kann nicht vor bösen Überraschungen schützen. Und so geraten die Diebe mitten in ein Komplott um finstere Magier und ein Gemälde, das es eigentlich gar nicht geben dürfte … Sie nennen sich »Die Herbstgänger« und sind eine Truppe fahrender Schauspieler – zumindest so lange sie nicht tricksen, betrügen und stehlen. Denn dem gilt ihre eigentliche Leidenschaft. Die sagenhaft schöne Lagunenstadt Mosmerano hält viele Versuchungen bereit, und nicht lange, so bereiten sie einen spektakulären Kunstraub vor. Doch dann geraten sie ins Visier eines Magiers, der mächtiger und sehr viel niederträchtiger ist als sie selber. Er zwingt sie, ihre Talente für seine Zwecke zu nutzen und für ihn zu arbeiten. Und so tanzen die Herbstgänger bald auf mehreren Hochzeiten: Sie wollen Rache, sie wollen ihren Coup durchziehen, sie wollen eine politische Verschwörung um uralte Magie aufdecken – und am Ende auch noch mit heiler Haut davonkommen. Die Diebe rund um den charismatischen Glin Melisma müssen an die Grenzen ihres Könnens gehen. Und noch darüber hinaus …


Inhaltsangabe:

Die Herbstgänger sind eine zusammengewürfelte Familie aus Außenseitern, eine Diebesbande mit einer Vorliebe für das Theater und als solche ziehen sie mit einem Mechanischen Theater durch die Welt. Dabei ist es seit neustem Glin, der Ziehsohn von Talmo, dem begnadeten Mechanisten und Erbauer des Theaters, der sich die raffiniertesten Pläne für neue Coups überlegt. Und sie sind erfolgreich in ihrem Tun.

Doch jeder Höhenflug endet an einem gewissen Punkt und so bereuen die Herbstgänger bereits kurz nach dem Eintreffen in Mosmerano, am Anfang ihrer Schaustellersaison, dass sie die Lagunenstadt überhaupt betreten haben.

Geplant war eigentlich ein Kunstraub, eine der verrücktesten Aktionen, die sie sich bisher ausgedacht haben, aber als ein alter Bekannter von Talmo das Mechanische Theater betritt, wird das Leben der Herbstgänger über den Haufen geworfen. Plötzlich sieht sich Talmos Ziehsohn mit einem Magier konfrontiert, der alles bedroht, was sich die Gruppe die letzten Jahre mühsam aufgebaut hat. Und plötzlich geht es um viel mehr als nur einen Coup. Das Leben von Glins Freunden und ebenso der Frieden des Reiches stehen auf dem Spiel. Ein Einbruch in einen absolut einbruchssicheren Tresor scheint die einzige Möglichkeit heil aus der Sache herauszukommen.


Positiv:

Ein erstes Highlight ist für mich das Cover. Es macht mit seiner Farbgebung auf jeden Fall etwas her und liefert einen ersten Vorgeschmack auf die Handlung. Auch die Welt scheint riesig und sehr interessant, man liest die Arbeit, die hier hineingeflossen ist.

Die Handlung ist sehr ansprechend und persönlich fand ich es super, dass die Figuren wieder und wieder mit Problemen konfrontiert werden, die es zu lösen gilt. Sie scheitern und verbuchen Erfolge, das lässt es für mich sehr realistisch und greifbar wirken.

Das Buch nimmt sich anfangs viel Zeit, um dem Leser die einzelnen Figuren näher zu bringen und auch im Laufe des Buches erfährt man durch gezielte Rückblenden mehr und mehr über die einzelnen Charaktere und deren Motivationen. Normalerweise bin ich kein Fan von Flashbacks, aber hier werden sie platziert, ohne zu stören. Auch wird man in die Szene zurückversetzt und bekommt sie nicht erklärt.

Und dass nicht zimperlich mit den Figuren umgegangen wird, begrüße ich ebenfalls. Jeder ist verwundbar.

Das Buch spielt mit raffinierten Dialoge zwischen den Figuren. Vor allem Glin bekommt dadurch eine große Packung Persönlichkeit und auch Aurinius, als Bösewicht der Geschichte, wirkt dadurch unglaublich sympathisch. Generell empfand ich die Dialoge als absolute Stärke des Buches, sie sind flüssig und dynamisch und man freut sich auf jedes Gespräch.

Der Schreibstil ist flüssig und intelligent.


Negativ:  

An manchen Stellen zog sich das Buch etwas in die Länge, was für mich vor allem an den Dialogen lag. Zwar sind diese super gestaltet, aber meiner Meinung nach gab es zeitweise zu viel tell und zu wenig show. So erfuhr man einige Dinge nur, statt diese mitzuerleben.

Anfangs fühlte ich mich ein wenig mit Namen zu Ländern, Städten, Stadtteilen und Figuren überschwemmt, was es nicht ganz leichtgemacht hat, in die Geschichte hineinzukommen. Aber nach und nach wird zu jedem der Namen ein Gesicht gezeichnet, weshalb man dann doch einen Bezug zu allem bekommt.

Meiner Meinung nach kam der Umschwung, der die Stimmung des Buches kippt, etwas zu plötzlich und für mich auch aus dem Nichts. Dadurch verlor die Handlung für mich kurz den Bezugspunkt und die Spannung.


Fazit:

Ein absolut lesenswertes Buch, mit einem wunderschönen Cover und genialen und intelligenten Dialogen. Die Figuren sind durchweg sympathisch, egal auf welcher Seite sie stehen und jeder bekommt sowohl Persönlichkeit als auch eine Vergangenheit. Auch die Handlung bietet mit ihren mehreren Strängen Abwechslung. Glin und seine kleine Familie haben auf diesen knapp 500 Seiten einiges auszustehen und ziehen den Leser mit gerissenen Ideen und erstaunlichen Fähigkeiten in ihren Bann. So lässt einen jedes Scheitern und jeder Erfolg mitfühlen.

Die Dialoge bleiben die Stärke des Buches, sind aber gleichzeitig auch Schuld, dass das sich die Handlung für mich an manchen Stellen etwas zog.

Ein wenig enttäuscht bin ich, dass die einzelnen Charaktere ihre eigenen erstaunlichen Fähigkeiten haben, aber nur drei der Charaktere zum Ausgang wirklich maßgelblich beigetragen haben. Da hätte man mehr draus machen können.

Alles in allem aber eine absolute Leseempfehlung!


Diebe der Nacht, Thilo Corzilius, 2020, Klett Cotta Hobbit Presse


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