Cândhûn: Schleier der Anderswelt – Diana Klewinghaus

»Vhochâl, stille Tochter«, flüsterte sie der Göttin entgegen, der sie als Kind aufgrund ihrer Gabe geweiht worden war, »schenk‘ mir deinen klaren Blick.«

– Cândhûn – Schleier der Anderswelt, Ella, Kapitel 6

Klappentext:
Das Land Duria steht kurz vor dem Bürgerkrieg mit der Nordprovinz. Die freiheitsliebende Ella erweckt in einem verbotenen Ritual ihre magische Begabung und flieht mithilfe eines reizvollen Fremden in ihre bedrohte ursprüngliche Heimat.
Der Roman Schleier der Anderswelt: Einstieg mit Romantik und Thrill in die Welt der Geister und der epischen Fantasyreihe Candhun. Ein spannungsintensives Abenteuer über sechs Freunde, Gut und Böse und die vielen Wahrheiten dazwischen.


Inhaltsangabe:
(zur ersten Episode, deshalb halbswegs spoilerfrei)

Ella wächst abseits ihrer Heimat bei ihrem Onkel auf und ist gezwungen ihre Gabe zu verstecken. Der Zentrale Rat, der am liebsten seine Finger auch auf Ellas Heimat erstrecken will, verbietet die Nutzung der Gabe, wenn es nicht zu seinem Zweck oder unter seinen Augen geschieht.

Kaum aus dem Konvent zurück in das ihr Onkel sie die letzten Jahre gesteckt hat, soll sie den Inquisitor Rodrik heiraten. Eine Entscheidung, die Ella so nicht akzeptieren will und kann. So hegt Ella immer mehr den Wunsch, ihre Gabe endlich endgültig zu wecken.

Als Vanadis und Llew als Botschafter Caelan-Ait neben vielen anderen Botschaftern in das Herrenhaus ihres Onkels kommen, fühlt Ella immer mehr das Heimweh aufsteigen, den Drang, etwas zu unternehmen und ihre Gabe anzunehmen. Ein gefährlicher Gedanke, drohen ihr doch die schweren Strafen durch den Zentralen Rat.

Ella wagt dennoch ein Ritual, welches ihr Leben verändern wird und ihr den Blick in die Anderswelt gestattet. Gemeinsam mit Vanadis und Llew muss sie schließlich vor dem Zentralen Rat und ihrem Verlobten fliehen. Und nicht nur, dass sie seit dem Ritual Schwierigkeiten hat, die Welt der Lebenden von der der Toten zu unterscheiden, gerät Ella zwischen die Fronten des Konflikts zwischen Duria und Caelan-Ait und den anderen nördlichen Ländern.

Ella muss nun mit sich selbst und gegen ihre Feinde kämpfen – gegen die Lebenden und die Toten -, während sie und ihre neu gewonnenen Freunde eine größere Rolle in diesem Krieg einnehmen, als es sich Ella jemals hätte vorstellen können. Und dann ist da noch ihre eigene Vergangenheit, die über sie hereinbricht und ihr das Leben schwer macht. Mit dem geheimnisvollen Llew als Fokus an ihrer Seite muss sie ihren Platz in den Auseinandersetzungen finden.


Meinung:

Ich hatte das Vergnügen, die einzelnen Episoden bereits vorab zu lesen und fand die Handlung – wenn auch im Grunde nicht neu – sehr individuell. Für mich hebt sich Ella mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Gabe und den Folgen des Rituals von vielen der Protagonistinnen der aktuellen Literatur ab. Sie ist stark und dennoch sehr verletzlich und zieht die Handlung eher passiv voran. Ihre Person ist interessant und besteht aus mehr als man auf den ersten Blick sieht.

Auch die anderen Charaktere sind glaubwürdig und nachvollziehbar, mit ihren eigenen Geschichten geschrieben und ich hatte nicht einmal das Gefühl, bei einer Sicht Langeweile zu empfinden. Jeder hat seine eigenen Ambitionen und Gedanken und man wird nicht mit Eigenschaften bombardiert, diese formen sich nach und nach. Da sind Mauern, die langsam bröckeln und in Gegenwart der anderen an Bedeutung verlieren und schicksalhafte und prägende Vergangenheiten.

Die Welt, die sich einem als Leser präsentiert, wirkt durchdacht, neu und schlicht phantastisch. Alles greift in den Konflikt über und hat eine Geschichte, die man gut und gerne nachvollziehen kann und will. Für mich, die gerne viel über die Geschichte einer Fantasy-Welt wissen will, ist der Informationsfluss innerhalb des ersten Bands sehr befriedigend. Die geschilderten Szenen sind bildlich und inhaltsreich geschildert, sodass man sich die Welt gut vorstellen kann und immer etwas Neues entdeckt.

Die einzelnen Episoden beginnen recht seicht, langsam und konzentrieren sich sowohl auf Ella und die anderen Figuren und deren kleinere Probleme, entfalten aber nach und nach immer mehr Spannung und größere Herausforderungen, die die Welt betreffen. Die Handlungsstränge spalten sich teils auf, führen sich wieder zu einem und verlaufen auch nicht immer geradlinig.

Mit dem Kampf Gut gegen Böse wurde das Rad nicht neu erfunden, aber die vielen kleinen Einzelheiten und neuen Ideen machen diesen Auftakt zur Reihe um Ella und ihre Freunde einzigartig.


Fazit:

Ich mag die Art der kurzen Episoden sehr gern, ein kurzer Snack für zwischendurch, eine kurze spannende Freitagnachmittagsliteratur. Das Konzept sagt mir sehr zu, da jede Episode etwas Neues bringt, neue Erkenntnisse, Handlungen oder Probleme. Es wird nie langweilig und eine Spannungskurve gibt es ebenso in jedem Abschnitt. Und ich kann mir auch vorstellen, dass dies als Sammlung im Taschenbuch gut funktioniert.

Die Charaktere sind durchweg interessant und eigenständig und selbst die Nebencharaktere stecken voller Leben und Geschichten, die eine Welt füllen, die ebenso durchdacht und greifbar wirkt wie unsere. Die Liebesgeschichte zwischen Ella und Llew funktioniert auch sehr gut, beide bleiben eigenständig und das dezente Hin und Her hat seinen wohlverdienten Reiz. Man bekommt zu keiner Zeit das Gefühl, dass sie sich zu sehr zwischen die eigentliche Handlung drängt, versinkt aber auch nicht im Nirgendwo.

Der Kampf um Leben und Tod, zwischen Gut und Böse beginnt in Band eins erst, macht aber neugierig auf die nächsten Bände und bietet sehr viel Potential für neue Ideen und Individualität, welche die Autorin bereits jetzt mit viel Liebe zum Detail umsetzt.


Candhun – Schleier der Anderswelt: Vhochals Flüstern, Diana Klewinghaus, Selfpublishing, 2020


weitere Bücher der Reihe:

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