Als Julia in die Zeit stürzte – Stephanie Podesta

»Aber Menschen sind verschieden, Julia, manch einer ist vielleicht glücklich ohne Kind. Deshalb musst du dich nicht rechtfertigen, schließlich ist es dein Leben und niemand hat das Recht, dir seinen Willen aufzuzwingen.«

– Als Julia in die Zeit stürzte, Julias Vater, Kapitel 63

Klappentext:
„Vorsicht, pass auf die Kerze auf“, mahnte Krister. „Heller geht es nicht, das weißt du doch.“
Natürlich. Ich wusste es. Schließlich war noch keine LED-Leuchte erfunden, nicht mal eine Glühbirne. WAS?

Wir haben 1824, wisperte es in mir, und ich erlitt den nächsten Schock.
Julia ist zufrieden mit ihrem Leben. Aus ihrer Sicht könnte alles so weitergehen – aber ihr Freund Paul möchte Kinder. Julia jedoch bekommt alleine bei dem Gedanken an Schwangerschaft und Geburt Panikattacken. Was ist nur los mit ihr? Alle Frauen wollen doch Kinder! Um die Beziehung mit Paul zu retten, stimmt sie notgedrungen einer Therapie zu.
Die Hypnotiseurin Nathalie verspricht Abhilfe. Sie vermutet ein Trauma in Julias Vergangenheit – doch wie tief im Schatten der Zeit vergraben Julias Problem wirklich ist, hätte niemand erwartet.

Gerade noch auf der Hypnoseliege, findet sich Julia plötzlich in der Vergangenheit wieder – in ihrem früheren Leben als Friederike Anna Nordin. Ihre beiden Ichs müssen sich nicht nur einen Körper teilen – nein, Friederike ist auch noch schwanger, was Julias schlimmsten Alptraum wahr werden lässt.
Wohl oder übel muss sie sich an das Leben auf dem Bauernhof im 19. Jahrhundert und an ihre plötzliche Schwangerschaft anpassen. Verzweifelt sucht sie einen Weg, zurück in ihren alten Körper in die Gegenwart zu gelangen. Doch kann sie das überhaupt schaffen? Die Ereignisse in der Vergangenheit überschlagen sich – und plötzlich ist Julia gar nicht mehr so sicher, was sie überhaupt möchte.


Inhaltsangabe:

Julia ist glücklich mit ihrem Freund Paul. Für sie ist alles perfekt, aber Paul stellt sich mehr für ihr gemeinsames Leben vor. Er äußert seinen Kinderwunsch immer öfter, aber Julia hat Angst. Angst vor der Schwangerschaft, Angst vor der Geburt und Angst, dass Paul sie verlassen wird, wenn sie ihm diesen großen Wunsch weiterhin verweigert. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin, Eva, und ihrem Paul lässt sie sich auf eine Hypnotiseurin ein, nachdem sie das Gespräch mit einem Psychologen nicht weitergebracht hat.

Wer hätte damit rechnen können, dass die Hypnotiseurin, Nathalie, sie direkt in das 19. Jahrhundert zurückkatapultiert. Gefangen im Körper ihres schwangeren Vergangenheits-Ich, muss Julia einen Weg finden, wieder in die Zukunft zurückzukehren. Gleichzeitig muss sie sich mit ihrer größten Angst auseinandersetzen und einen Kompromiss mit ihrem Vergangenheits-Ich finden. Dieses hat ein eher distanziertes Verhältnis zum Kindsvater, Krister, der versucht Haus und Hof mit der Arbeit auf dem Feld und harter Arbeit zu erhalten. Auch an das Frauenbild der damaligen Zeit muss sich Julia erst gewöhnen.

Ihr selbstbewusstes Ich aus dem 21. Jahrhundert sorgt in dem kleinen Dorf schnell für Aufsehen und nicht jeder findet diese neue Seite an ihrem damaligen Ich gut. Dabei hat Julia gar keine Zeit sich mit diesen Problemen zu beschäftigen, denn sie ahnt, was ihr Trauma ausgelöst hat und muss einen Weg finden, dieses Schicksal abzuwenden.


Meinung:

Ich gebe zu, dass ich lange überlegen musste, wie ich zu dem Buch stehe. Ich hatte doch meine Probleme, in die Geschichte hineinzufinden und anschließend den Faden nicht wieder zu verlieren. Es ist auf jeden Fall eher schwerere Kost, welche ich auch eher älteren und weiblichen Leserinnen empfehlen würde, da das Schwangerschaftsthema mit seinen Hürden, Ängsten, Sorgen und Gefahren sehr stark wiegt. Der Spannungsbogen hält sich eher gering und man wird immer wieder mit Julias Angst konfrontiert. Allerdings ist diese, meiner Meinung nach, sehr gut beschrieben und wird auch gut vermittelt. Gleichzeitig wird man mit dem 19. Jahrhundert und den dort gängigen „Problemen“ einer Frau konfrontiert, welchen sich Julia prima widersetzt und damit durchaus auch für den einen oder anderen Schmunzler bei mir gesorgt hat.

Das Leben im 19. Jahrhundert, zumindest was das Leben auf dem Land betrifft, wurde gut beschrieben und mit Julias Problem verknüpft. So passen sowohl Namen als auch Charaktere gut in diese Zeit und wirken gleichzeitig sehr sympathisch.

Julias Charakterentwicklung gefiel mir sehr gut, sowohl von ihrem Vergangenheits-Ich, als auch vor allem von ihrem „Zukunfts“-Ich. Sie entwickelt sich in vielerlei Hinsicht weiter, bringt einen Teil ihrer Mentalität des 21. Jahrhunderts mit und springt über ihre eigenen Probleme hinweg. Gleichfalls die zärtliche Beziehung, die sich nach und nach zwischen Krister und den verschiedenen Julia-Ichs aufbaut, finde ich interessant.

Auch der Schreibstil ist wunderbar geschmeidig und lässt sich flüssig lesen, während die Beschreibungen schöne Bilder vor dem inneren Auge zeichnen.


Fazit:

Das Thema Schwangerschaft ist im Buch stets im Vordergrund und das sollte man bei der Auswahl des Buches auf jeden Fall beachten. Denn wer einen Zeitreise-Romantik-Roman der klassischen Art erwartet, der wird hier sicherlich enttäuscht. Allerdings hat es mir trotz der recht seichten Spannungskurve Spaß gemacht, Julia auf ihrem Weg zurück in die Zukunft zu begleiten. Ihr Selbstbewusstsein und ihre schnippische Art passen so gar nicht in diese Zeit und ihre Ängste sind für mich durchaus sehr gut nachzuvollziehen und werden auch gut geschildert.

Gerade zum Ende hin musste ich die eine oder andere Träne dann doch mal vergießen. Julias Papa und Julia selbst können einem nur leid tun. Das Ende empfand ich wirklich als sehr stark. Es nimmt einen mit, auch wenn ich Julias Problemlösung etwas sehr hart finde.

Ein Buch mit einer interessanten Geschichte, einer witzigen Idee, aber für meinen Geschmack ist das Schwangerschaftsthema zu präsent (Ratgeberartig präsent) und die Handlungskurve etwas zu seicht. Ich schätze, ich bin für das Buch noch 3-5 Jahre zu jung.


Als Julia in die Zeit stürzte, Stephanie Podesta, 2020, Selfpublishing, Covergestaltung: Dream Design – Cover & Art


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