Die Weisse Magierin: Kampf um Prelon – Tatjana Karg

»Ihr seid hier in Prelon, […], und die Preloner definieren Treue etwas anders.«

Valygar, Seite 426, Die Weisse Magierin: Kampf um Prelon

Klappentext:

Wem würdest du in einem Königreich folgen, das durch ein Netz von Intrigen gesponnen, dir niemals verrät, wer Freund oder wer Feind ist? Der zweite Teil der atemberaubenden High-Fantasy-Serie um Real und die Welt von Perdosien!
Das Netzt verdichtet sich – Prelon steht vor einem Krieg, der unausweichlich scheint, denn nachdem die obersten Häuser ihr Bündnis brechen, befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand.
Als dann auch noch das karutische Herr gegen Prelon marschiert, muss Rael sich endlich entscheiden, für wessen Seite sie kämpfen will. Doch Vertrauen verschenkt man in einer Stadt wie Prelon nicht so leicht. Nicht einmal an den eigenen Vater, dessen Pläne die Hinrichtung ihres neugewonnen Freundes Jerdan beinhalten. Um ihn zu retten, ist die weiße Magierin bereit, alles zu tun, und findet sich kurz darauf im Krieg und mitten im Komplott um den Machtkampf des Südens wieder…



Inhaltsangabe:

Nach den Erlebnissen und den Erkenntnissen aus Band eins ist Rael noch nicht sicher, was sie von Xarven halten soll. Einen Vater hatte sie sich immer gewünscht, aber dass es sich dabei ausgerechnet um den wohl stärksten Schwarzmagier und den wohl potentiell gefährlichsten Mann ganz Prelon handelte, damit hatte sie nicht gerechnet. Und während sie versucht, mit ihrem neuen Leben zurecht zu kommen und irgendwie einen Weg zu finden, Jerdan zu retten, spitzt sich die Lage in Prelon mit jedem weiteren Tag weiter zu. Seit dem hinterhältigen Anschlag auf dem Fest und der Vernichtung des Hauses Callora, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, ehe die Häuser sich gegenseitig angreifen.

Als dann die Hinrichtung Valygars bekannt gegeben wird, sieht sich Xarven im Zugzwang und das Bündnis mit dem ersten Haus Gremlon um dem zweiten Haus Trechia steht nur noch auf wackligen Füßen. Beide Fürsten sind gezwungen, sich Verbündete zu suchen. Und während die unterschiedlichen Parteien um Unterstützung anderer buhlen, knüpfen die eigentlichen Feinde im Hintergrund ihre Fäden und warten nur auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen. Keiner weiß, wem die Treue gehört und dazu kommt das Gerücht, dass es einen Verräter im Hause Trechia geben soll. Einem Gerücht, dem Fürst Xarven nur ungern Beachtung schenkt, da er sich seiner Anhänger sicher ist. Aber ist dem wirklich so?

Rael dagegen ist gezwungen von der Seitenlinie aus zu zusehen, bis es beinahe schon zu spät zu sein scheint. Sie sieht Feinde aber auch Freunde fallen und muss sich entscheiden, ob sie sich treu bleibt oder Prelon in ihr Herz lässt.


Positiv:

Vor allem gefallen hat mir die Entwicklung der Geschichte und die dauerhaft aufgebaute Spannung, die sich erst ziemlich zum Ende hin entlädt. Man erwartet alles und wird dennoch am Ende überrascht. Die Intrigen werden weitergespannt, sodass der Leser bis zum Schluss im Dunkelgrau tappt, wer nun welche Fäden in den Händen hält und wer was wie und mit wem plant. Man wird mit allerlei Andeutungen und Halbwahrheiten gefüttert, aber aufgrund der Vielschichtigkeit der Charaktere und deren Ambitionen ist es zu verdanken, dass man sich nie sicher ist, wer nun für wen kämpft, und welche Wahrheit eine Lüge ist. Kein Charakter ist einfach nur grundlos böse oder grundlos gut. Hinter scheinbar bösartigen Handlungen stecken teilweise gute Ideale und umgekehrt. Diese Graustufen, die weder Schwarz noch Weiß, weder Gut noch Böse sind, haben mir beim Lesen sehr gut gefallen.

Und dennoch schafft es die Autorin am Ende Fragen zu lösen und zu einem logischen Konstrukt aufzubauen.

Auch, dass Charaktere aus dem ersten Band wieder auftauchen und ebenfalls mitmischen, fand ich sehr gut. Gleichzeitig lernen wir jedoch auch neue Charaktere kennen, die man mehr oder weniger bereit ist in sein Herz zu schließen. . Die Welt wird mit jeder Seite bunter und verworrener und Freundschaften und Feindschaften gehen weit über die Grenzen von Prelon hinaus, was vermuten lässt, wohin ein zukünftiger Band noch reichen könnte.


Negativ:

Da man den namensgebenen Kampf um Prelon hauptsächlich durch Raels Augen erfährt, deren Geschichte sich aber zum größten Teil neben dem Kampfgeschehen abspielt, wirkt der Kampf weniger bedrohlich, bis gar nicht greifbar. Als Leser habe ich das Geschehen weniger als Gefahr wahrgenommen. Lediglich Schilderungen von Verletzten und kurze Abschnitte von Charakteren, die sich mittendrin befanden, machten deutlich, dass irgendwas passiert. Durch das eher Hintergründige hat mir der eine oder andere Schockmoment oder Erleichterungseffekt gefehlt, wenn etwas Übles passiert oder abgewendet wird. Dadurch wirken die Preloner etwas wie Pappfiguren, die von den Gegnern einfach nur weggeschnippt werden.

Ohne dem Fokus auf dem Kampf hätte hier meiner Meinung nach mehr Emotionalität, mehr Gefühl bezüglich der Opfer aufkommen müssen.


Fazit:

Band 2 schließt nahtlos an Band 1 an und führt meiner Meinung nach die spannende Geschichte um Rael sehr schön weiter. Man fiebert mit den Figuren mit und stellt Entscheidungen in Frage. Gleichzeitig hat man das Gefühl, als Leser mehr zu wissen als die Figuren, nur um zu merken, dass dies zwar stimmt, aber man im Grunde dennoch gar nichts weiß. Die Autorin versteht es hier prima, mit Feindbildern und den Überlegungen des Lesers zu spielen, nur um diese am Ende zu begraben und neu zu verteilen.

Verrat, Intrige und die Vielschichtigkeit der Charaktere bilden weiterhin die große Stärke der Reihe. Man darf sich nie sicher fühlen.

Einzig der fehlende Fokus auf dem eigentlichen Kampf und die damit verbundene Gleichgültigkeit, die man dem Ganzen entgegenbringt, haben für mich das ansonsten runde Bild etwas getrübt.

Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger, der mich auf einen Band 3 hoffen lässt, um ungeklärte Fragen zu klären.


Die Weisse Magierin: Kampf um Prelon, Tatjana Karg, PIPER Verlag GmbH, München 2019, Redaktion: Franz Leipold, Covergestaltung: Cover&Books


weitere Bücher der Reihe:

Band 1

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