Gefährten der Hoffnung: Eriks Suche von Jörg Krämer

»Seit nur noch wenige Menschen in diesem Gebiet lebten, war die Luft viel klarer und das Grün der Pflanzen intensiver geworden. […] Die warme Luft unter meinen Flügeln ließ mich mein knappes Pfund Gewicht kaum spüren. Ich genoss die Freiheit. Nichts störte meinen Flug.«

– Zach, Gefährten der Hoffnung: Eriks Suche, Seite 9

Klappentext:
In einer zerstörten Welt, bewohnt von Mutanten und erwachten Wesen, findet Erik seine große Liebe: Irinskat.
Alles scheint perfekt. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Irinskat und ihre Tochter Nanuk werden von Plünderern entführt.
Kann Eriks vierbeiniger Gefährte Odin, ein riesiger Bärenhund, helfen, Irinskat zu retten?
Und welche Rolle spielt Giada, die italienische Kriegerin, der sie unterwegs begegnen?
Während der Suche tritt immer häufiger Eriks Geheimnis zutage. Wird das seine Familie retten oder seine Gefährten in den Untergang reißen?
Zach, der Waldkauz, ist Nanuks Freund. Er unterstützt die Gefährten als Kundschafter und erzählt ihre Geschichte auf seine ganz eigene Art und Weise.


Inhaltsangabe:

Das Buch spielt in einer Zeit nach einer gefährlichen Pandemie, die die Menschen in gefährliche und tödliche Monster verwandelt hat und wird aus der Sicht des kleinen Waldkauz Zach erzählt, der im Dachgiebel von Eriks Haus lebt und versucht die Gunst seiner Liebe Lea zu gewinnen.

Die überlebenden, immunen und kampferprobten restlichen Menschen haben sich neu organisiert und versuchen sich vor Banditen, Plünderern und dem Militär zu schützen.

Als Eriks Frau und seine Tochter von seinem ehemaligen Freund Hajo und dessen Kumpanen entführt werden, macht er sich gemeinsam mit seinem Hund Odin und Zach, der seine große Liebe Lea damit beeindrucken will, auf den Weg, um sie zurückzuholen.

Gemeinsam stoßen sie nicht nur auf feindlich gesinnte Menschen und die Roks, die vom Virus verunstalteten Monster, sondern auch auf Intrigen und Verrat. Giada stellt sich an ihre Seite, hat sie selbst ein Ziel, das mit dem von Erik verknüpft ist. Zu viert scheinen sie unaufhaltsam und kämpfen sich ihren Weg bis zu Hajo und seinen Männern.


Meinung:

Mir gefiel die Idee der Geschichte sehr gut. Zwar basiert sie im Grundlegenden auf den üblichen Zombie-Geschichten. Aber weil die Roks ein gewisses Maß an Intelligenz besitzen, im Grunde noch immer irgendwo Menschen sind und sich organisieren können, macht es das Konzept individuell. Auch die Idee, alles aus der Sicht eines Waldkauz‘ zu schreiben, finde ich witzig.

So wird die „Gegenwart“ von Zach erzählt und durch Rückblenden aus Eriks Sicht erfährt man nach und nach, wie es zu allem kam. Eine gute Art die Geschichte um alles zu erzählen, ohne die Handlung in die Länge zu ziehen.

Die Namen der Charaktere finde ich auch sehr gut.

Allerdings ist die Umsetzung für mich schwer zu lesen. Es wirkt alles sehr trocken geschildert, Gefühle werden beinahe gar nicht übertragen und Szenen schreiten so schnell voran, dass man von einem Satz in den nächsten plötzlich vor einer anderen Szene sitzt. Kämpfe werden innerhalb weniger Sätze ausgetragen, was es manchmal sehr schwer machte, der Szene überhaupt zu folgen. Dadurch wirkt das Buch wie eine große, umfangreiche Aufzählung von Ereignissen und weniger wie eine fließende Geschichte.

Gerade das mit den fehlenden Gefühlen und Beschreibungen wollte ich anfangs auf die Tatsache schieben, dass die Geschichte aus der Sicht eines Tieres erzählt wird, die Gefühle einfach nicht so empfinden, wie wir Menschen. Doch auch Teile aus Eriks Sicht sind unglaublich nüchtern. Das macht die eigentlich interessante Handlung sehr langweilig und schwer verfolgbar. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, woher die Beziehung und die Vertrautheit zwischen den Charakteren plötzlich kommt und wie wir von einem Ort zum nächsten kamen.

Was ich zum Grund des Ausbruchs der Krankheit sagen soll, weiß ich auch nicht so recht. Durch die sprunghafte Schreibweise geht gerade hier viel Information verloren. So empfinde ich die Methode des Militärs und der Regierungen das Virus wieder einzudämmen als viel zu radikal und auch nicht logisch. Wie kann sich ein Virus innerhalb von 2 Tagen über die ganze Welt verteilen? Und wie kann innerhalb dieser wenigen Tage schon feststehen, dass man nicht anders dagegen vorgehen kann, als mit Waffengewalt?

Dann haperte es bei mir auch an anderen logischen Sachen. In was für einer Welt spielt das? Auf Grundlage der Namen und dass die Geschichte in Deutschland spielt und Städte als modern beschrieben werden, gehe ich davon aus, dass es unsere aktuelle, moderne Welt ist. Dafür fehlt mir jedoch irgendwie eine Erklärung, woher Eriks Berserkerfähigkeiten kommen und generell der Einsatz von Magie. Ich habe keine Erklärung gefunden, die Magie ist einfach da und scheint auch niemanden zu stören. Auch die Telepathie zwischen Zach, Odin und Erik. Damit habe ich mich noch arrangiert, aber erklärt wird es auch nicht, einfach hingenommen. Dabei ist die Idee dahinter wirklich interessant und auch sehr witzig. Es wäre schön gewesen, diese etwas weiter ausgebaut zu sehen.

Auch Namen ändern sich. So wird aus dem Kampfpartner Özdem irgendwo mal Mehmet, um dann wieder zu Özdem zu werden. Hat er nun einen Doppelnamen, oder ist Mehmet gar nicht Özdem? Aber wo kam er dann her und wohin ging er? Und wo war Özdem in der Zeit?

Auf mehr kann und will ich an der Stelle nicht eingehen, weil es zu viel spoilern würde.


Fazit: Eine prima Idee, aber …

Ich kann nicht sagen, dass ich ein schlechtes Buch mit einer schlechten Handlung vor mir hatte. Es hat durchaus Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Nur hat es meiner Meinung nach zu viele logische Lücken und die Handlung wird viel zu schnell und viel zu ruckartig erzählt. Dem Buch würde es guttun, wenn es hier und da mehr Luft zum Atmen hätte. Wenn man Szenen mehr Zeit gegeben hätte, sich zu entwickeln und den Charakteren mehr Gefühl eingeräumt hätte.


Gefährten der Hoffnung: Eriks Suche, Jörg Krämer, Erste Auflage 2019, net-Verlag, Coverbild: Julia Lohninger, Covergestaltung, Lektorat und Layout: net-Verlag


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