Blake McLain – Flucht

„Es gibt für jeden Menschen einen Platz im Leben, solang er bereit ist, danach zu suche! Du bist mit Sam gemeinsam geflohen. Du hast dich also längst auf den Weg gemacht. Sams Entscheidung, dir zu helfen, hat ihn zu mir geführt. Jede Entscheidung, die ihr getroffen habt, hat bewiesen, ihr gehört niemandem außer euch. Es gibt einen Platz für euch. Du siehst ihn nur noch nicht!“

– Erin, Seite 70, Blake McLain – Flucht 

Klappentext:

Ein illegales Labor, ein skrupelloser Geschäftsmann und zwei Brüder auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit.

Owen Martin ist einer der erfolgreichsten Pharmaziehersteller der USA. Dass sein Erfolg auf illegalen Versuchen an Minderjährigen beruht, wissen nur wenige. Blake McLain jedoch kennt das Geheimnis des skrupellosen Geschäftsmannes, denn er und sein kleiner Bruder waren sieben Jahre lang in einem seiner Labore gefangen. Als es Blake durch einen glücklichen Zufall gelingt, sich und Sam zu befreien, beginnt eine unerbittliche Verfolgungsjagd quer durch die Staaten. Verfolgt von einem Mann, der darauf trainiert wurde zu töten, bietet kein Ort Zuflucht, scheint keine Telefonverbindung geschützt und kein Mensch ist in ihrer Nähe sicher. Was als Hoffnungsschimmer auf ein freies Leben beginnt, wird bald zu einer Gefahr für das Einzige, worauf Blake und Sam sich immer verlassen konnten: Ihre bedingungslose Loyalität zueinander.



Inhaltsangabe:

   Ein Hausbrand ist für den Tod von Blakes und Sams Eltern verantwortlich. Das ist es zumindest, was man Blake erzählt, als er in einer Zelle des Mediziners Dr. Martin erwacht, denn erinnern kann er sich daran nicht.

So tauscht er an diesem Tag sein sorgenfreies Leben gegen illegale Experimente, die Dr. Martin an ihm und einigen anderen Kindern durchführt. In einem Labor, von dessen Existenz niemand weiß, und niemand bereit wäre ihnen zu helfen. Von nun an zählt für Blake nur noch ein Gedanke: Er muss seinen Bruder vor den Experimenten beschützen.

Es vergehen Jahre, doch der Augenblick der Unachtsamkeit kommt und gemeinsam fliehen die Brüder in ein Leben voller Unsicherheit und Einsamkeit. Allein in einer Welt, die Blake nur kurz genießen durfte und sein Bruder lediglich aus Lehrvideos und aus Erzählungen kennt, stolpern die Jungen in die Praxis der Ärztin, Erin. Diese ist selbst in einer ausweglosen Situation, sieht sich aber verpflichtet, den beiden zu helfen. Sie verspricht den Jungen ein Zuhause und Sicherheit solang sie es wollen und begibt sich damit selbst ins Schussfeld der Verfolger, die nicht bereit sind ihre Forschungen aufzugeben.

Bald schon ist ihnen Martin mit seinen Männern auf den Fersen und eine Flucht durch das halbe Land unvermeidlich.

Die Brüder müssen schnell feststellen, dass ihre bloße Anwesenheit Freunde in Gefahr bringt. Ein Leben, wie sie es sich wünschen, scheint es nicht zu geben, eine Kindheit undenkbar. Aber Blake glaubt an Erins Worte: Es gibt für jeden einen Platz.

Doch was ist, wenn die beiden Jungen nach und nach anfangen, sich gegenseitig im Weg zu stehen?


Positiv:

   Das Buch überzeugt mich mit seinen beiden Hauptcharakteren und vor allem Erin beinahe von Anfang an. Man erlebt die Entwicklung zweier junger Männer, die sich erst wieder in der Außenwelt zurechtfinden müssen, die lernen müssen zu leben und zu vertrauen. Den Figuren wird viel Zeit eingeräumt und die Umstände ihrer Charakterfestigung eingehend behandelt. Es macht Spaß zu lesen, wie Schüchternheit und Misstrauen in Freude und Zuversicht umschlägt und sich Vertrauen in Kontrolle wandelt.

Zu Beginn habe ich noch dem Gedanken nachgehangen, dass mir Sam für seine neun Jahre etwas zu reif wirkt, aber nach und nach zeigt sich, dass er ein Produkt seiner Vergangenheit ist und ein lebendiger Junge in ihm steckt. Zumindest bis auch er langsam erwachsen wird und ein traumatisches Ereignis sein Gemüt zu trüben beginnt. Diese Entwicklung zu verfolgen hat einen sowohl grinsen als auch wehmütig seufzen lassen. 

Blake dagegen ist misstrauisch und allem gegenüber immer vorsichtig eingestellt. Dies ändert sich nicht und wird nach und nach zu einer seiner tiefsten und auch interessantesten Charakterzüge. Ich bin wirklich gespannt, in welche Richtung diese Affektion noch reichen wird. 

Der Schreibstil ist sehr gut, einprägsam und unterhaltsam. Gefühle werde nachvollziehbar geschildert und Handlungen laufen wunderbar im Kopf mit. Gröbere Fehler habe ich keine gefunden und Vergleiche verflüssigen den Text zu einem Film. 


Negativ:

   Für mich war der Anfang des Buches beschwerlich. Wo anschließend viel Wert auf Beschreibungen und Gefühle gelegt wird, wirkt der Anfang etwas holprig und kühl. Es wird klinisch abgehandelt, wodurch die Flucht sehr einfach wirkt und man nicht das Gefühl hat, dass die beiden sich Mühe geben mussten. Es fehlt der »Himmel, sie haben es geschafft«-Moment. Dadurch kamen mir die Sicherheitskräfte und das Sicherheitssystem des geheimen Labors ein wenig zu blind vor.

Im ersten Teil des Buches hat man immer wieder Einblicke bekommen, was auf der »gegnerischen« Seite passiert ist, weshalb man stets mitgezogen wurde und gebibbert hat. Dies hat mir im zweiten Teil gefehlt, was ich schade finde, da zwar hier scheinbar die Handlung für den zweiten Band aufgebaut wurde, dadurch die Spannungskurve aber nachgelassen hat. Und die Gegenseite blasste dadurch arg aus.

Des Weiteren hatte ich meine Probleme mit den häufigen Zeitwechseln, gerade im zweiten Teil des Buches. So war es etwas schwerlich, dem chronologischen Ablauf zu folgen, da beinahe mit jedem neuen Kapitel ein Sprung folgte. Wo es anfangs nur mehrere Tage, Wochen oder Monate waren, zog es sich später über mehrere Jahre. Zwar fand man immer wieder schnell in den Text und die Szenen waren gut gewählt, aber verwirrt war ich dennoch erstmal. Meine Angewohnheit die Jahre nachzurechnen und das Alter der Jungen in meinem Kopf zu korrigieren, tat sein Übriges zur allgemeinen Verwirrung. 


Fazit: Trotz kleiner Schwächen hatte ich viel Spaß beim Lesen!

   Wenn man über die kleineren Schwächen des Buches hinwegsieht und bereit ist, sich auf eine recht sonderbare Patchworkfamilie einzulassen und auch den einen oder anderen wtf-Moment zu ertragen bereit ist – einschließlich Sex-Szenen, die vielleicht nicht jedermanns Geschmack sind – macht dieses Buch wirklich viel Spaß. Manchmal sind es Schwächen, die etwas erst richtig gut machen! Man wird mit der Entwicklungen zweiter Jungen unterhalten, die vom Kind zum Mann werden, und auf ihrer Flucht durch die Staaten nicht nur gegen die Vergangenheit, sondern auch gegen sich selbst zu kämpfen haben.

Das Ende des ersten Bands hat mich nicht wirklich überrascht, wurde hierauf von Anfang an hingearbeitet, was dem Buch eine gerade Linie und Struktur verleiht. Hierzu trägt auch die Vergangenheit der Brüder bei, die nach und nach eingeführt und man so durchweg mit Hintergrundwissen gefüttert wird. Es wird nicht langweilig und bunte und sehr unterschiedliche Nebencharaktere füllen die sonst recht leere Welt. Von einigen dieser Nebenakteure erhoffe ich mir im zweiten Band noch Großes. 

Persönlich habe ich ein Problem mir die genauen Möglichkeiten eines geheimen Labors vorzustellen, in welchem illegale Experimente durchgeführt werden – wem kann man diese Ergebnisse präsentieren, wenn niemand von der Existenz dieses Labors wissen darf? Ein Gedanke, der mich im Band eins sehr viel beschäftigt hat und ich bin neugierig, wie die Geschichte rund um die Charaktere mir diese Möglichkeiten vielleicht in den weiteren Bänden erklären werden.


Blake McLain – Flucht, Jaden Quinn, 2019, Selfpublishing, Lektorat: Oliver Jung-Kostick


weitere Bücher der Reiche:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*