Die Königsmörder-Chronik – Patrick Rothfuss

„Das Wirtshaus gehörte ihm, wie ihm auch die dritte Stille gehörte. Und es war nur recht und billig so, denn sie war die größte der dreifachen Stille und schloss die anderen ein. Sie war so tief und so weit wie der Spätherbst. Sie wog so schwer wie ein großer, vom Fluss glatt geschliffener Stein. Es war der geduldige, blumensichelnde Laut eines Mannes, der darauf wartet zu sterben.“

So beginnt die Reihe des amerikanischen Autors Patrick Rothfuss um den jungen Magieadepten Kvothe und seiner Suche nach den Mördern seiner Eltern. Beginnen mag in diesem Zusammenhang ein schwieriger Begriff sein, denn die Handlung des ersten Romans, „Der Name des Windes“, setzt erst spät im Leben des Hauptprotagonisten ein.

Wir lernen Kvothe zuerst unter seinem Alter Ego Kote kennen, einem Wirt in der kleinen Stadt Newarre. Zusammen mit Bast, seinem geheimnisvollen Schüler, betreibt er dort das Wirtshaus zum Wegstein – doch es wird bald klar, dass hinter Kotes dünner Fassade der Normalität mehr oder minder gut gehütete Heimlichkeiten stecken.

Denn wie durch einen Wink des Schicksals errettet Kote den häufiger als Chronist bezeichneten Devan Lochees. Lochees selbst ist dem Gerüchten nach Newarre gefolgt, dass sich hier der legendäre, aber totgeglaubte Kvothe verberge, und als selbigen entlarvt er schnell den jungen Gastwirt des Wegsteins. Der Chronist ist auf der Suche nach der Wahrheit, dem Menschen hinter der Legende, der Geschichte hinter den Geschichten. Und Kote ist bereit, sie ihm zu erzählen.

So beginnt die Reihe des amerikanischen Autors Patrick Rothfuss um den jungen Magieadepten Kvothe und seiner Suche nach den Mördern seiner Eltern. Beginnen mag in diesem Zusammenhang ein schwieriger Begriff sein, denn die Handlung des ersten Romans, „Der Name des Windes“, setzt erst spät im Leben des Hauptprotagonisten ein.

Wir lernen Kvothe zuerst unter seinem Alter Ego Kote kennen, einem Wirt in der kleinen Stadt Newarre. Zusammen mit Bast, seinem geheimnisvollen Schüler, betreibt er dort das Wirtshaus zum Wegstein – doch es wird bald klar, dass hinter Kotes dünner Fassade der Normalität mehr oder minder gut gehütete Heimlichkeiten stecken.

Denn wie durch einen Wink des Schicksals errettet Kote den häufiger als Chronist bezeichneten Devan Lochees. Lochees selbst ist dem Gerüchten nach Newarre gefolgt, dass sich hier der legendäre, aber totgeglaubte Kvothe verberge, und als selbigen entlarvt er schnell den jungen Gastwirt des Wegsteins. Der Chronist ist auf der Suche nach der Wahrheit, dem Menschen hinter der Legende, der Geschichte hinter den Geschichten. Und Kote ist bereit, sie ihm zu erzählen.

Und so berichtet Kote von seinem Leben als Kvothe, dem Sohn von Angehörigen der Edema Ruh, einer Ethnie fahrender Spielleute mit geringem Ansehen und zweifelhaftem Ruf. Er erzählt von dem Mord an seinen Eltern und allen Angehörigen ihres Zugs und ihren Mördern, den sagenumwobenen Chandrian. Die Suche nach ihnen und einer Begründung für den Tod seiner Eltern führt Kvothe durch eine oft leidvolle Welt voll Magie, alter Schrecken und Geheimnisse.

Eindrücke

Patrick Rothfuss versteht es, eine Geschichte zu erzählen. Gekonnt wechselt er zwischen dem aus der Ich-Erzählsperspektive erzählten Geschehen um Kvothe zu der in der personalen Erzählstil beschriebenen Handlung um Kote, der vor seiner Vergangenheit zu fliehen versucht. Mit einem Schreibstil, der unter die Haut zu gehen weiß, führt uns Rothfuss durch das frühe Leben seines Hauptprotagonisten, der sich dem Leser weit und nur selten mit Scham öffnet und viel von seinen Empfindungen und Gedanken preis gibt. Kvothe entwickelt eine geradezu charmante Anziehungskraft auf den Leser, fesselt ihn mit seinem Witz und seiner oft zur Schau gestellten Schlagfertigkeit. Gerade die Ich-Perspektive unterstützt die Entwicklung Kvothes zu einem facettenreichen Sympathieträger, der jeder Schwierigkeit und Widrigkeit in seinem steinigen Leben mit bemerkenswerter Willenskraft und Durchhaltevermögen begegnet.

Gerade die Stärken Rohtfuss‘ mögen gleichzeitig auch seine bedeutenden Schwächen sein. Zwar zeichnet er mühelos eine lebendige und glaubwürdige Fantasywelt; gleichzeitig schafft er jedoch auch wenig Neuerung. Rothfuss verarbeitet altbekanntes, typisches, seine Genrevorgänger sind ihm deutlich anzulesen. Wer das Genre kennt, kennt auch die Wege, welche die Handlung der Königsmörder-Chronik nimmt, und mag sie noch so geschickt verpackt und wirkungsvoll erzählt sein.

Auch Kvothe als wichtigster Motor und Sympathieträger der Handlung schwächelt auf geradezu ärgerliche Weise. Bei genauerer Betrachtung ist er zu perfekt, zu begabt, zu klug und zu stark. Im Laufe der bisher unvollendeten Reihe entwickelt er sich zu einem sagenhaften Musiker, begabten Magier und herausragenden Kämpfer. Mit nicht einmal sechzehn Jahren verführt er eine Göttin und verwandelt sich in einen allbekannten Liebhaber, dem nur wenige Frauen widerstehen; ein Umstand, der dadurch nur noch einen lächerlicheren Zug erhält, dass er sich seiner einzig wahren Liebe Denna nicht anzunähern weiß. Allgemein beschreibt Rothfuss das Liebesleben seiner Protagonisten eigentümlich erwachsen und frei dafür, dass sie größtenteils Teenager in einer mittelalterlichen Welt mit sonst übermäßig mittelalterlichen Ansichten sind. Es wirkt, als hätte Rothfuss Schwierigkeiten gehabt, Kvothe mit dem Verlauf der Handlung in einem vernünftigen Maß altern zu lassen, und so drückt er ihm die Erfahrung und die Fertigkeiten eines erwachsenen Mannes auf, ohne ihn auch nur über die Schwelle seiner Teenagerjahre treten zu lassen.

In einer Geschichte über einen Schüler der Magie mag das Magiesystem eine übergeordnete Rolle spielen. Auch hier gelingt es Rothfuss, ein in sich logisches und begreifbares Konzept für seine Welt zu entwerfen: Die als Sympathie bezeichnete Magie ist eine Form der Energiemanipulation, die sich den Regeln der Energieerhaltung unterwerfen muss und logische Grenzen kennt.

Gleichzeitig mit dieser recht ausgefeilten Darlegung der Magie geht jedoch auch ein gutes Stück ihrer Anziehungskraft verloren. Nahezu alles, was in Rothfuss‘ Magiesystem möglich ist, ist erklärt und dargelegt und geradezu entzaubert. Es ist Magie, die kaum noch etwas magisches an sich hat und nur wenige Überraschungen bereithält. All das mag mit dem Studium des Autors als Chemieingeneur zu tun haben, welches Rothfuss jedoch nie abgeschlossen hat. Vielleicht ist dies die Wurzel eines Systems, das viel Wert auf augenscheinliche Authentizität von chemisch-physikalischen Prozessen und Energiezuständen setzt.

Als einzige Auflockerung des Systems verfügt alles, auch der für den ersten Band namensgebende Wind, über einen eigenen Namen; wer den ureigenen Namen eines Dings erkennen kann, besitzt Macht über es. Jedoch ist diese Idee fast so alt wie das Genre selbst und ist bereits so häufig kopiert und wiederverwendet worden, dass auch hier Rothfuss kein Alleinstellungsmerkmal anerkannt werden kann.

Fazit

Auch wenn Rothfuss wenig Neuerungen in seine Königsmörder-Chronik eingebracht hat, ist die Geschichte um Kvothe und seiner Suche nach den Chandrian eindrucksvoll komponiert und wundervoll beschrieben. Gerade für Neulinge des Genres dürfte die Königsmörder-Chronik einen sehr dankbaren Einstieg in die Welt der Fantasyliteratur ermöglichen. Der Einfallsreichtum, mit dem er alte Stoffe zu neuen Geschichten webt, lässt den Leser bald die für Fans des Genres doch sehr durchsichtige Handlung vergessen.

Patrick Rothfuss weiß es, zu unterhalten. Und da verzeiht der Leser ihm und Kvothe gerne die ein oder andere Schwäche.

Anmerkungen zur Buchausgabe

 Der Name des Windes: 18. Auflage der deutschen Übersetzung, Klett-Cotta

 Die Furcht des Weisen: Sonderauflage in zwei Bänden, deutsche Übersetzung, Klett-Cotta

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